Abriss und Neubau mit Video

Mieter am Ahornweg fühlen sich unter Druck gesetzt

Mieter der Vivawest am Ahornweg wollen ihr Zuhause nicht verlassen. Sie sehen sich von der Wohnungsgesellschaft bedrängt, schnell auszuziehen.
Diese Häuser der Vivawest am Ahornweg in Marl-Hüls sollen abgerissen werden. © Martina Möller

Heruntergelassene Jalousien hängen schief vor den Fenstern, Sperrmüll liegt vor einem der Häuser. Viele Gärten am Ahornweg zeigen, dass hier schon länger niemand den Rasen gemäht oder einen Zaun repariert hat. „Das räumt keiner mehr weg“, sagt Walter Wollny und blickt traurig auf den Müllhaufen.

In seiner Gartenparzelle dagegen blüht und grünt es wie eh und je. Hier genießt er mit seiner Frau Hannelore den Sommer. „Das ist mein kleines Paradies“, sagt die schwerkranke 77-Jährige den Tränen nahe. Sie will sich nicht dem Gedanken abfinden, dass sie es bald verlassen soll.

Wie berichtet plant die Wohnungsgesellschaft Vivawest, ihre Mietshäuser am Ahornweg abzureißen und an gleicher Stelle neu zu bauen. Im Frühjahr 2022 soll es losgehen. Anfang Juli hatte unsere Redaktion über die Pläne der Wohnungsgesellschaft berichtet.

Start im Frühjahr

Der Start der Abbrucharbeiten an den Gebäuden am Ahornweg 1-19 ist nun für das Frühjahr 2022 geplant, bestätigte der Sprecher der Wohnungsgesellschaft mit Sitz in Gelsenkirchen auf Anfrage. Die Mieter der Häuser seien bereits vor über einem Jahr über die Planungen informiert worden. „Wir stehen im Austausch mit den Mietern und werden für alle individuelle, zufriedenstellende Lösungen finden. Einige Häuser sind bereits leergezogen“, erklärte er.

Das Ehepaar Wollny und die Nachbarn Wolfgang Boog und Norbert Kranzusch fühlen sich in einer ähnlichen Lage wie vor drei Jahren, als das Marler Unternehmen Römer und Partner Pläne für das Römerquartier vorstellte und den Abriss der Häuser am Ahornweg ankündigte. Auch dieses Mal hätten sie erst durch die Marler Zeitung erfahren, wie bald das Projekt umgesetzt werden soll und dass sie vom Ahornweg wegmüssen. „Mit uns redet man wieder nicht“, kritisiert Wolfgang Boog. Wie bekannt zog sich das Marler Unternehmen zurück.

Zentral und ruhig gelegen

Dafür hat Vivavest nun eigene Pläne für das Wohnquartier im Herzen von Hüls, das die verbliebenen Bewohner schätzen, weil es zentral und trotzdem ruhig und dank der Gärten im Grünen gelegen ist. „Und die Bausubstanz der Häuser ist sehr gut“, erklärt Dr. Roland Gaschnitz, dessen bald 90 Jahre alter Vater hier lebt. „Man könnte sie mit wenig Aufwand modernisieren.“

Seit 42 Jahren sind Hannelore und Walter Wollny am Ahornweg in Hüls zu Hause. Und auch jetzt wollen sie aus dem Haus, das sie von der Vivawest gemietet haben am liebsten nicht ausziehen. „Es gab nie Probleme mit der Wohnungsgesellschaft“, betont der ehemalige Bergmann. Er ist enttäuscht, weil plötzlich morgens um 6 Uhr direkt neben seiner Haustür gebohrt wird, um den Boden zu untersuchen und den Grundwasserspiegel auf dem Grundstück festzustellen. Die Bohrungen hatte Vivawest angekündigt, den Zeitpunkt aber nicht. Walter Wollny fühlt sich unter Druck gesetzt.

Walter und Hannelore Wollny am Fenster ihres von der Vivawest gemieteten Hauses am Ahornweg in Marl. © Julia Dziatzko © Julia Dziatzko

Wohnrecht auf Lebenszeit

Er hat in seinem Haus auch ein verbrieftes Wohnrecht auf Lebenszeit, mit dem sogenannten Bergmannsversorgungsschein.

Die Vivawest hat ihren Mietern andere Wohnungen angeboten. Aber weder für die Wollnys noch für Wolfgang Boog und Norbert Kranzusch war eine geeignete Alternative dabei. „Meine Frau ist schwerkrank, wir brauchen eine Wohnung, in der wir alles auf einer Etage haben, einschließlich der Waschmaschine“, betonte Walter Wollny. „Bisher war für uns nichts annehmbares dabei.“ Die Nachbarn Boog und Kranzusch bewohnen zwei großzügige Wohnungen in einem Haus am Ahornweg und haben in ihren schönen Garten viel Arbeit und Geld gesteckt. Norbert Kranzusch sieht nicht ein, dass er künftig nur noch auf 65 statt knapp100 Quadratmetern wohnen soll. Roland Gaschnitz kritisiert: „Die Vivawest will hier bezahlbaren Wohnraum in zentraler Lage einfach verschwinden lassen. Das ist menschenverachtend.“

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