Landgericht Essen

Missbrauch: Tochter sprach von „schlimmen Sachen“

Im Dezember 2020 ist für eine Mutter aus Marl eine Welt zusammengebrochen. Jetzt steht ihr Ehemann vor Gericht. Es geht um Kindesmissbrauch.
Bestreitet die Vorwürfe: Der Angeklagte neben Verteidiger Tim F. Schubert. © Jörn Hartwich

Es war so etwas wie ein Neuanfang in einer neuen Welt: Vor rund sieben Jahren ist eine junge Frau aus Somalia nach Deutschland geflohen. Sie kam nach Marl, fand eine neue Heimat, gründete eine Familie. Doch jetzt steht sie mit ihren vier Kindern wieder alleine da.

Rund sechs Monate ist es inzwischen her, dass ihr Mann festgenommen worden ist. Sie hatte selbst die Polizei gerufen. Der Vorwurf: Kindesmissbrauch.

„Meine Tochter hat mir erzählt, dass der Papa schlimme Sachen mit ihr macht“, sagte die vierfache Mutter den Richtern am Mittwoch und kämpfte mit den Tränen. „Dass er sie küsst und auszieht.“

„Mir ist schwindelig geworden“

Immer wieder soll sich ihr Mann ins Kinderzimmer geschlichen und sich dort an der anfangs Neunjährigen vergangen haben. „Mir ist ganz schwindelig geworden, als ich das gehört habe“, so die Mutter im Prozess am Essener Landgericht. „Ich habe meinem Mann vertraut. Ich hätte nie gedacht, dass er solche Sachen macht.“

Das Paar hatte sich in Libyen kennen und lieben gelernt. Beide kamen aus Somalia, beide waren auf der Flucht. Gemeinsam ging es über Italien weiter nach Deutschland.

Ende letzten Jahres war ihr schließlich aufgefallen, dass sich ihre älteste Tochter verändert hatte. „Sie hatte keinen Respekt mehr vor meinem Mann und hat Widerworte gegeben“, sagte sie den Richtern. Da habe sie nachgefragt.

Es sollte das letzte Mal sein

„Es sollte ein Spiel sein, Mama.“ So oder so ähnlich soll sich die heute Zehnjährige schließlich ausgedrückt haben. „Aber ich habe nicht verstanden, was das für ein Spiel sein soll, bei dem niemand anders mitspielen darf.“

Warum sich das Mädchen seiner Mutter nicht schon früher anvertraut hat? „Sie hat mir gesagt, dass sie Angst gehabt habe.“ Außerdem habe ihr Mann angeblich immer gesagt, dass es das letzte Mal sei.

Der Angeklagte selbst bestreitet die Taten. „Ich habe nichts gemacht“, hatte er den Richtern gleich zum Prozessauftakt erklärt. Doch es gibt DNA-Spuren, die die Polizei an der Unterwäsche der Zehnjährigen sichergestellt hat.

Sehr leise, sehr zurückhaltend

Die Schülerin hatte damals auch einer Richterin vom Amtsgericht Marl erzählt, was ihr angeblich widerfahren ist. „Sie war sehr leise, sehr zurückhaltend“, erinnerte sich die Amtsrichterin bei ihrer Zeugenbefragung am Essener Landgericht. „Ich glaube, dass das für sie sehr schambelastet war.“ Bestimmte Worte habe sie deshalb vielleicht auch gar nicht benutzen wollen.

Die heute Zehnjährige war damals sofort zur Untersuchung in die Kinderklinik nach Datteln gebracht worden. Auch das Jugendamt war umgehend eingeschaltet worden.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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