Junglehrerinnen treten ersten Job an

Mit voller Überzeugung ans Lehrerpult der Hauptschule

Güldane Gürdal und Sarah Würtz treten in Marl-Hamm mit klaren Zielen ihre erste Lehrerstelle an. Warum Hauptschule? Weil für sie Schülernähe, Integration und Berufsvorbereitung wichtig ist.
Schulleiterin Bärbel Themann (M.) ist davon überzeugt, das ihre Junglehrerinnen Güldane Gürdal (l.) und Sarah Würtz (r.) einen guten Start hinlegen werden. © Julia Dziatzko

Güldane Gürdal hatte die Wahl – und sie hat sich entschieden. Die 28-jährige Junglehrerin tritt heute ihre erste Stelle an. Voller Überzeugung, mit viel Enthusiasmus und klaren pädagogischen Zielen geht es an die Katholische Hauptschule in Marl-Hamm, an eine Schule, an der es mehr braucht als die Beherrschung des Lehrstoffs.

Eltern fassen Vertrauen – das hilft Kindern mit Migrationshintergrund

In der Schule am Merkelheider Weg haben etwa 50 bis 60 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Hier sieht die türkischstämmige Junglehrerin ihre Stärken: „Diese Schule hat eine besondere Funktion. Es geht um die Integration der Kinder in unsere Gesellschaft. Mit meinen Erfahrungen kann ich mich hier voll einbringen.“ Die gebürtige Bielefelderin spricht fließend Deutsch und Türkisch. Sie weiß: Wenn man den Kindern helfen will, ist der Kontakt zu den Eltern wichtig. „Ich habe hier eine Brückenfunktion. die Eltern vertrauen mir“, sagt Mathelehrerin Gürdal selbstbewusst.

Berufsvorbereitung ist ein Schwerpunkt

Auch Sarah Würtz aus Schwerte tritt heute in Hamm ihre erste Lehrerstelle an. Die 42-Jährige bringt bereits viel Berufserfahrung mit. Sie hatte zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert, später am Abendgymnasium das Abitur nachgeholt. Die TU Dortmund und die Volkshochschule in Schwerte waren weitere berufliche Stationen. In Marl-Hamm wird sie unter anderem Deutsch und Geschichte unterrichten. Auch Würtz hat in der VHS an Integrationsprojekten mitgearbeitet, will an der Hauptschule jedoch einen weiteren Schwerpunkt setzen. „Mich reizt die Berufsberatung. Ich will den Kindern den Weg aufzeigen von der Schule in den Job.“

Digitalisierung mit neuen pädagogischen Möglichkeiten

Schulleiterin Bärbel Themann sieht in den beiden neuen Kolleginnen einen großen Gewinn. Für sie ist das Gerede von der Krise der Hauptschule ein Muster ohne Wert, zumal in Hamm die Anmeldezahlen zuletzt wieder gestiegen sind: „Integrationsarbeit und Berufsvorbereitung sind die besonderen Stärken dieser Schulform. Darauf kann unser Land nicht verzichten.“

Wichtig ist beiden Junglehrerinnen die Nähe zu den Schülerinnen und Schülern. Güldane Gürdal hatte ihr Referendariat an einer großen Gesamtschule in Bochum-Wattenscheid gemacht, wo sie auch heute noch wohnt. Ihre ganz persönliche Konsequenz: „Diese Schule ist mir zu groß, 30 Kinder in einem Raum – hier kann ich nicht intensiv mit den einzelnen Schülern arbeiten.“ Gürdal lobt die gute Austattung der Schule mit Lehrmitteln und die jetzt in Angriff genommene Digitalisierung mit neuen pädagogischen Möglichkeiten. Ihr Fazit: „Ich kann mir gut vorstellen, hier viele Jahre zu arbeiten.“

Mit Teamgeist lassen sich alle Probleme der Schule überwinden

Das ist nicht selbstverständlich. Nicht jede junge Pädagogin will an einer Hauptschule arbeiten. In den Klassenräumen eines altsprachlichen Gymnasiums geht es vermutlich ruhiger zu. „Langeweile hat hier keiner“, sagt Themann mit Blick aufs Kollegium, und: „Wir haben hier auch schwierige Kinder, und das liegt daran, dass sie oft selbst in Schwierigkeiten stecken.“ Was hilft, ist der Teamgeist. Nicht immer wird ein Lehrer allein mit jeder Situation fertig. Doch dann kommt ein Kollege hinzu. Es gibt einen Beratungslehrer, es gibt zwei Sozialarbeiter an der Schule. Und es gibt Regeln, die zusammen mit den Kindern erarbeitet wurden und für gemeinsames Handeln sorgen.

Sarah Würtz und Güldane Gürdal wollen sich diesen besonderen pädagogischen Herausforderungen stellen. „Ich will die soziale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler stärken“, sagt Gürdal, und: „Ich werde sie direkt fragen, wer sie sein, was sie erreichen wollen. So finden wir einen Weg.“ Bärbel Themann ist überzeugt, das die beiden es schaffen werden: „Sie haben das Herzblut für diesen Beruf!“

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