Landgericht Dortmund

Mutter aus Marl wird nach Jahren von Drogen-Vergangenheit eingeholt

Eine 36-jährige Frau aus Marl soll in Dortmund mit zweieinhalb Kilo Heroin gehandelt haben. Die Taten liegen mehr als sechs Jahre zurück. Vor Gericht steht jetzt eine geläuterte Frau.
Das Dortmunder Landgericht muss nun entscheiden, wie die Marlerin bestraft werden muss. © Martin von Braunschweig

Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter eines dreijährigen Kindes insgesamt 17 Einzelfälle vor. Zwischen Sommer 2014 und Sommer 2015 soll sie in regelmäßigen Abständen bei einem Großdealer in den Niederlanden Heroin bestellt und die Drogen wenig später in Dortmund in Empfang genommen haben.

„Das ist richtig so“, erklärte die 36-Jährige gleich nach der Verlesung der Anklageschrift. Sie könne sich zwar natürlich nicht mehr an die genauen Daten und die tatsächlichen Bestellmengen erinnern. „Aber insgesamt wirkt das sehr plausibel“, sagte sie.

Harte Kindheit

Die Angeklagte stammt, wie sie selbst sagt, aus einer „harten Familie“. Sie habe sich viele Jahre um ihre kranke Oma kümmern müssen. „Weil meine Eltern mich im Stich gelassen haben.“

So sei ihr Bruder ihre wesentliche familiäre Bezugsperson gewesen. Doch der habe schon früh Erfahrungen mit Rauschgift gemacht und diese auch an seine Schwester weitergegeben.

„Er hat mir alles in den Hals geworfen, was es gab“, sagte die 36-Jährige den Richtern. Mit 14 habe sie zum ersten Mal gekifft. Dann folgten Pilze, LSD-Trips, Ecstasy, Kokain und schließlich Heroin.

„Das war meine Droge“, sagte die Frau. „Ich habe es gleich gemerkt. Das war die Droge des Vergessens. Es ging total schnell, bis ich täglich immer mehr davon haben wollte.“

Bruder brachte sie an Drogen

Ab 2014 bestellte die Angeklagte deshalb tatsächlich regelmäßig größere Mengen in den Niederlanden. Wie genau sie an die Nummer des Lieferanten geraten sei, weiß sie heute nicht mehr. „In der Szene werden solche Tipps einfach ausgetauscht“, sagte sie den Richtern.

Um ihren Eigenbedarf möglichst günstig decken zu können, habe sie sich dann folgendes Geschäfts ausgedacht: Sie sammelte bei ebenfalls drogenabhängigen Bekannten Geld ein und versprach diesen Heroin zum Grammpreis von 35 Euro. Sie selbst bestellte daraufhin die große Gesamtmenge, profitierte dabei von einem niedrigeren Grammpreis von 25 Euro – und bekam ihren Anteil damit fast kostenlos.

Seit 2017 clean

Erst im Juni brach das Dealerleben der Marlerin in sich zusammen. Nachdem in den Monaten zuvor schon mehrere ihrer „Geschäftspartner“ aus Dortmund von der Polizei geschnappt worden waren, erwischte es nun auch sie.

„Doch das“, sagt die 36-Jährige heute, „war das Beste, was mir je passiert ist“. Fünf Tage nach ihrer Festnahme habe sie mit einem kalten Entzug begonnen. Und nach einer Zeit im Methadonprogramm sei sie inzwischen seit Ende 2017 drogenfrei.

„Ich habe ein neues Leben angefangen und jetzt einen Mann und ein Kind“, sagte sie den Richtern. Der Prozess wird fortgesetzt.

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