Grundschul-Neubau

Neue Goetheschule setzt Klimaschutz konsequent um

Die Pläne für den außergewöhnlichen Neubau der Grundschule haben den letzten Feinschliff bekommen. Die Vorfreude wächst, die Kosten steigen. Baubeginn soll Anfang 2022 sein.
Zweigeschossig und als konsequente Holzkonstruktion wird sich die neue Goetheschule an der Hervester Straße präsentieren. Baubeginn soll Anfang 2022 sein. 2024 ist die Fertigstellung geplant. © ACMS Architekten GmbH Wuppertal

Der geplante Neubau der Goetheschule an der Hervester Straße nimmt Gestalt an. Der Siegerentwurf der Wuppertaler ACMS Architekten GmbH wurde letztmalig überarbeitet und jetzt im Schul- sowie Stadtplanungsausschuss unter großem Beifall vorgestellt. Die Beschlussvorlage geht am kommenden Mittwoch durch den Stadtrat. Mit breiter Zustimmung darf gerechnet werden. Damit kann das Projekt aus der Entwurfs- in die Genehmigungsplanung übergehen. Der Baubeginn dürfte Anfang 2022 erfolgen, die Fertigstellung bis 2024.

In der Mitte und als Verbindung der drei Gebäudeflügel liegt diese lichtdurchflutete Halle mit Galerie und Treppe. © ACMS Architekten GmbH Wuppertal © ACMS Architekten GmbH Wuppertal

„Diese Grundschule wird eine ganz besondere Schule“, freut sich Brigitte Heermann, die als Leiterin des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit die Planung und Ausführung koordiniert. Und genau das ist der Leitfaden des Neubaus: Klimaschutz und Nachhaltigkeit. So wird die Schule als reine Holzkonstruktion errichtet, wie ACMS-Architekt Prof. Christian-Schlüter-Vorwerg bei der Präsentation im Stadtplanungsausschuss betont. Natürlich muss dafür kein Tropenbaum gefällt werden. Hölzer aus nachhaltigem Anbau kommen zur Anwendung. „Für die Fassaden verwenden wir Lärche vergraut, das Holz ist lasiert und muss dann nie mehr gestrichen werden“, versichert ACMS-Architekt Michael Müller.: „Es bildet zum Selbstschutz gegen Witterung eine eigene Patina aus.“ Die Dächer des Schulgebäudes werden begrünt.

Verzicht auf stromfressende Klimaanlagen

Konsequent wird bei dem zweigeschossigen Neubau auf den Einbau von stromfressenden Klimaanlagen verzichtet. „Wir wollen möglichst CO2-neutral sein“, betont Müller. Auch einfache Raumlufttechnik (RLT) kommt in den Klassenräumen nicht zum Einsatz. Diese werden schlicht über die Fenster belüftet, aber immerhin mit einem effektiven Sonnenschutz versehen, „damit es im Sommer nicht ständig hitzefrei geben muss“, so der Wuppertaler Architekt mit einem Schmunzeln. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung gibt es nur für besondere Räume wie Küche und Mensa. Brigitte Heermann betont, dass die Stadt die Entwicklung der Pandemie natürlich weiter beobachten wird. So sind alle Räume für den nachträglichen Einbau von RLT-Anlagen mit Virenfilter vorbereitet. Die Beleuchtungsanlage ist in allen Räumen und Fluren mit Niedrigenergieleuchtmitteln und Bewegungsmeldern versehen. So brennt das Licht nur, wenn es wirklich gebraucht wird.

Der Plan zeigt die nun endgültige Lage und Aufteilung der beiden Gebäudekomplexe. Links liegt das Schulgebäude mit den Klassenzimmern im Ober- und der Mensa im Untergeschoss. Rechts liegt das Sportgebäude mit Turnhalle (u.), Lehrschwimmbecken (o. r.) und Umkleiden. Zu sehen ist auch die 400 Meter lange Laufstrecke. © ACMS Architekten GmbH Wuppertal © ACMS Architekten GmbH Wuppertal

Baukosten liegen jetzt bei gut 20 Millionen Euro

Natürlich geht es auch darum, Baukosten zu sparen. Schon jetzt ist erkennbar, dass die bisher kalkulierten 15 Millionen Euro sich auf gut 20 Millionen erhöhen werden. Die Stadt, die das Projekt ganz aus eigener Tasche bezahlen muss, ist bereits kräftig auf die Kostenbremse getreten: So wird das ursprünglich größer geplante Lehrschwimmbecken auf jetzt 6 x 12,5 Meter verkleinert, die Zweifach-Sporthalle, die metertief in den Boden versenkt werden sollte, wird nun doch ganz normal auf ebener Erde gebaut, auf Fahrstuhl und Galerie wird verzichtet. Auch kann das Dach der 22x 42 Meter großen Halle nicht wie ursprünglich geplant begrünt werden. Durch die schwere Last wären die Baukosten explodiert. Auch wird das Gebäude mit günstiger Fernwärme beheizt. Eine Fotovoltaik-Anlage für die Dächer wird lediglich vorbereitet.

Punkten kann der Neubau zudem mit variablen Klassenzimmern, einer 400 Meter langen, beleuchteten Laufstrecke rund um den ganzen Komplex und einem Schatten und Sauerstoff spendenden Baumgürtel, mit vielen Sitz- und Spielgelegenheiten für die Kinder.

Goetheschule-Konrektorin Petra Spiegel freut sich schon auf die neuen Gebäude, die ihren gut 300 Schülerinnen und Schülern ganz neue Möglichkeiten bieten werden. Die konsequente Umsetzung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit gehören für sie dazu: „Wenn man neu baut, dann so!“

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