Chemiepark

Neue Restmüllverbrennungsanlage sorgt für Fragen

Genehmigungsantrag bei der Bezirksregierung läuft: Veolia-Tochter Sarpi stellt Anlage im Stadtplanungsausschuss vor. Kapazitätserweiterung steht im Mittelpunkt von Diskussionen.
Bild mit Symbolkraft: Im September wurde der Schornstein des neuen Gas- und Dampfkraftwerks errichtet. © Evonik

Nichts Genaues weiß man nicht, aber ganz geheuer kommt einem die Sache nicht vor: So lässt sich die Grundstimmung bei Teilnehmern der jüngsten Videokonferenz des Planungsausschusses der Stadt Marl auf den Punkt bringen, als es um die neue Restmüllverbrennungsanlage im Chemiepark ging. Evonik hat bei der Bezirksregierung Münster eine Teilgenehmigung beantragt, Vertreter von SARP Industries (SARPI) stellten sich am Donnerstag Fragen von Politik und Bürgern, 50 waren zugeschaltet. Die Tochter des französischen Veolia-Konzerns betreibt die Anlage nach dem Ausbau – er wird notwendig, weil Evonik voraussichtlich Anfang 2022 das bisherige Kohlekraftwerk, in dem bereits Sondermüll verbrannt wurde, durch Gas- und Dampfkraftwerke ersetzt. Im Mittelpunkt von Nachfragen: das Ausweiten der jährlichen Verbrennungs-Gesamtkapazität von 45.000 Tonnen auf künftig mögliche 195.000 Tonnen.

Dazu bezogen u. a. Raphaël Wietzke (SARPI-Geschäftsführer Deutschland) und Alexandra Boy, Evonik/Standortkommunikation Chemiepark, Stellung. Die Initiative zur Fragestunde hatte ein Antrag der Wählergemeinschaft Die Grünen gegeben. Ihre Bedenken brachte Dr. Roland Gaschnitz auf den Punkt: „Es ist gut, dass der Standort Marl gesichert wird – aber es sollen immerhin 230 Prozent mehr Müll als bisher verbrannt werden.“ Die Wählergemeinschaft nach der Fragestunde: Man sei im Ungefähren geblieben, was z. B. die ausdrücklich betonte regionale Herkunft von Abfällen angehe, die herangeschafft werden, um der Verbrennung zugesetzt zu werden. Tatsächlich wurde erläutert, dass durch den Mix sogenannter niederkalorischer und hochkalorischer Abfälle aus der Vor-Ort-Chemieproduktion die angestrebte möglichst saubere Verbrennung zu erzielen sei. Sie erzeugt aber auch Rückstände – die Entsorgung von Schlacken und Stäuben, die Wählergmeinschaft spricht von 85.000 Tonnen im Jahr, wurde Thema. Sie soll, so Alexandra Boy, auf bisher praktizierten, sicheren Wegen erfolgen. Eine Deponierung auf der Halde Brinkfortsheide sei ausgeschlossen.

Die Antragsunterlagen liegen bis einschließlich 18. Mai bei der Stadtverwaltung Marl aus (nach Terminvereinbarung). Der Umweltverträglichkeitsbericht sowie Empfehlungen, die der Bezirksregierung Münster zu Beginn des Verfahrens vorgelegen haben, sind im Internet einsehbar. Die Bürgerinitiative Marl-Hamm bemängelt, dass die Zeit für Einwendungen sehr knapp ist und Unterlagen nicht vollumfänglich im Internet stünden.

Einwendungen gegen das Vorhaben können bis zum 18. Juni bei den Behörden schriftlich oder elektronisch vorgebracht werden. Ein Erörterungstermin könnte am 13. Juli ab 10 Uhr im Feierabendhaus, Lipper Weg 201, stattfinden.

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