Autoteile-Diebstahlserie in Marl

Ran mit dem Kettenrohrschneider – und weg ist der Katalysator

Jeder handwerklich leidlich Versierte weiß, worum es geht: Der Autokatalysator-Klau boomt. Diebe haben es auf Platin im Abgasreiniger angesehen. Jetzt hat es eine Serie in Marl gegeben.
Objekt krimineller Begierde: Ein Katalysator am Unterboden eines Opel Astra. © dpa (Archiv)

Dass Airbags, Scheinwerfer, Bordcomputer und Radios auf dem Bestelllisten der Auftraggeber organisierter Autoknackerbanden stehen, ist bekannt. Dass Katalysatoren ebenfalls hoch im Kurs stehen, hat sich weniger herumgesprochen. Außer unter Kriminellen: Wie die Recklinghäuser Polizei mitteilt, sind am Mittwoch in Marl Katalysatoren in Serie geklaut worden.

Die Diebe schlugen tagsüber zu – der Polizei liegen bislang vier Anzeigen allein von Mittwoch vor. In einem Fall blieb es beim versuchten Diebstahl. Betroffen waren geparkte Autos an der Paul-Baumann-Straße, der Gräwenkolkstraße und der Victoriastraße.

Die Polizei bittet Zeugen, die verdächtige Personen an geparkten Autos beobachten, sofort den Notruf 110 zu wählen und so beispielsweise zum Ergreifen von Tatverdächtigen beizutragen.

Zielfahrzeuge werden blitzschnell und unauffällig aufgebockt

Mehr zum Thema „Schutz vor Autoknackern“ hält die Polizei im Internet parat.

Der Kat-Klau ist allerdings ein vergleichsweise neues Phänomen, erst seit wenigen Jahren schreibt er Schlagzeilen. Noch fixer als auf Airbags und Multifunktionslenkräder spezialisierte Diebe kommen Katalysator-Täter an Beute: Das Auto wird so weit wie eben nötig mit einem Wagenheber aufgebockt.

Das ist in der Realität weitaus unspektakulärer, als es sich anhört. Auf vollen Parkplätzen erregt es kaum Aufsehen, wenn ein Auto gerade eben so weit angehoben wird, dass man als Katalysator-Dieb zulangen kann, während Komplizen Schmiere stehen und zufällig zurückkehrende potenzielle Fahrzeugbesitzer mit Gesprächen aufhalten und ablenken.

Unterm dem Fahrzeugboden geht es brachial zur Sache, um den Katalysator aus der Auspuffanlage herauszuschneiden.

Besonders ältere Automodelle sind attraktiv

Die akkubetriebene Mini-Flex oder -säge ist nur an abgelegenen Orten erste Wahl – macht zu viel Krach. In der Hand trainierter Profis erledigt ein für kleines Geld erhältlicher manueller Kettenrohrschneider die Sache in einer Minute – ruckzuck ist der Kat weg.

Warum ist er so begehrt? Katalysatoren enthalten kleine Mengen der Edelmetalle Palladium, Platin und Rhodium. Recycling-Unternehmen zahlen für gebrauchte Teile teilweise mehrere hundert Euro. Denn die Rohstoffpreise für Platin etwa sind in den vergangenen Jahren durch die Decke gegangen.

Besonders attraktiv sind für Diebe offenbar Dreiwege-Katalysatoren älterer Fahrzeuge, z. B. Opel Astra, Toyota Prius und VW Polo. Seinerzeit wurde an Edelmetallen nicht so gespart wie heute, zudem sind die Kats gut erreichbar unterm Wagenboden montiert.

Der Abend in Marl

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