Stadt geht auf Bürger zu

Rege Nachfrage an dezentralen Impfstationen in Marl

Wettlauf mit der 4. Welle: Unkompliziertes Angebot im Marler Stern und in der Siedlung Am alten Sportplatz trägt zur Impfkampagne gegen das Coronavirus bei. 318 Menschen lassen sich impfen.
Sichtlich Andrang herrschte schon morgens vor den Impfkabinen des Corona-Testzentrums in der oberen Ladenstraße des Marler Sterns. © Thomas Fiekens

Freundliche Impfteams und Helfer, gut vorbereite Logistik: Mit zwei dezentralen Impf-Angeboten an die Bürger hat die Stadt Marl am Donnerstag einen Beitrag geliefert, die Coronavirus-Impfkampagne in Schwung zu halten: Ohne Terminvergabe, nur mit dem nötigsten Papierkram.

Vor dem Stadtteilbüro in der Siedlung Am alten Sportplatz (106 Impfungen) weist ein großes weißes Zelt den Weg zu Moderna oder Johnson & Johnson. Im Marler Stern (212 Impfungen) ist es die unübersehbare Beschilderung fürs Corona-Testzentrum auf der oberen Ladenstraße.

Michael Bach, Dezernent und Bürgermeistervertreter der Stadt Marl, hat sich vor Ort vergewissert, dass alles läuft. © Thomas Fiekens © Thomas Fiekens

Impfen lassen und Shoppen gehen

Unübersehbar ist dort ebenfalls die Menschenschlange, die sich morgens vor der Impfstraße bildet. Auch Michael Bach ist in den Stern gekommen – aber nicht um sich impfen zu lassen, das ist erledigt. Der Chef des Haupt- und Personalamtes ist zugleich Feuerwehr- und Ordnungsdezernent. Als Vertreter des erkrankten Bürgermeisters Werner Arndt überzeugt sich Bach persönlich, dass alles läuft.

„Nicht die Menschen sollen zu uns kommen – wir kommen zu den Menschen“, skizziert er den Ansatz des Angebots. Mitarbeiter aus allen Bereichen der Stadtverwaltung haben sich im Schichtsystem organisiert, um mithilfe des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der Kreisverwaltung und vielen Ehrenamtlern von 10 bis 18 Uhr am Ball zu sein.

Auch wenn es im Impfzentrum des Kreises Recklinghausens weitergeht und Hausärzte impfen, ist das dezentrale Angebot in Marl noch einmal eine eigene Sache.

Es ist bewusst zweigleisig aufgebaut: Im Marler Stern erreicht man Kunden, die ohnehin von Geschäften angezogen werden, in der Siedlung Am alten Sportplatz hinkt die Impfquote noch anderen Ortsteilen hinterher.

Ein Zelt in der Straße Am alten Sportplatz weist unübersehbar auf die Impfaktion hin. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Keine Voranmeldung, wenig Papierkram

Bleiben wir im Marler Stern: Während Bach mit Peter Knüwer vom Amt für Arbeit und Soziales das Konzept erklärt, wartet neben ihm eine 63-Jährige Hertenerin auf ihren Mann.

Der Name der Familie soll nichts zur Sache tun, warum man in den Marler Stern gekommen ist, erklärt die Frau indes bereitwillig. Selbst seit Mai mit Astra Zeneca doppelt geimpft, sei sie durch die Handy-App der Marler Zeitung aufs Angebot der Stadt aufmerksam geworden. „Keine Anmeldung, alles unkompliziert – so habe ich meinen Mann überzeugen können.“ Irgendwie hat es bis dato nie gepasst – Männer sind manchmal so…

Frauen sind da anders, im konkreten Fall ist der Nebeneffekt pragmatisch. Hand aufs Herz, reizt die Gelegenheit nicht auch zum Shoppen? „Ist längst passiert“, verrät sie, „der Marler Stern ist echt klasse geworden!“

Stadt profitiert vom Ehrenamt

Bach fährt weiter, auch am alten Sportplatz läuft es. Morgens ist die Nachfrage hoch, mittags geht sie zurück, nachmittags wird es wieder lebhafter. Es macht sich bemerkbar, dass hier keine Geschäftskunden unterwegs sind, sondern Menschen, die zur Arbeit müssen.

Im Familienzentrum Am alten Sportplatz zieht Björn Kellermann am Donnerstag Spritzen mit Impfstoff auf. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Die Stadt profitiert von exzellenten Kontakten zum Ehrenamt. Die Impfaktion des Amtes für Arbeit und Soziales mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wird zum Beispiel von Delia Scholz-Olschewski unterstützt, die sich seit 2015 ehrenamtlich als Flüchtlingshelferin engagiert, in Migrantenfamilien fürs Impfen.

Auch unter ihnen gibt es Menschen, die von Informationen über den Schutz vor dem Coronavirus noch nicht erreicht worden sind. Manche lehnen eine Impfung aus persönlichen Gründen ab, manche zögern. „So wie in der Gesamtgesellschaft“, sagt die Ehrenamtlerin.

Dezernent Michael Bach stellt am Ende des Tages klar: „Für uns ist der Schutz der Gesundheit von Bürgerinnen und Bürger das wichtigste Anliegen. Wir gehen alle Wege, die mit dazu beitragen, dass wir in der Pandemie nicht wieder zurückgeworfen werden.“

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