Fußgänger in Marl

Sehbehinderte fordern von Radfahrern mehr Rücksicht

Detlef Schmidt und die übrigen Mitglieder des Blindenvereins klagen über rücksichtslose Radfahrer, die auch dort viel zu eng an ihnen vorbeirauschen, wo es gar keinen Radweg gibt.
Der stark sehbehinderte Detlef Schmidt tastet sich auf dem Bürgersteig am Bachacker Weg mit seinem Stock vorwärts Richtung Carl-Duisberg-Straße. Auch auf diesem reinen Fußweg rauschen immer wieder Radfahrer rücksichtslos knapp an ihm vorbei. © Thomas Brysch

Detlef Schmidt ist sehbehindert, seine Restsehkraft liegt gerade noch bei 0,03 Prozent. Der 63-jährige Marler nimmt seine Stadt ganz anders war als die allermeisten Mitmenschen. „Für mich ist alles grau, sagt der ehemalige Briefträger, der nach 40 Berufsjahren im Zuge seiner plötzlichen Erblindung im Jahr 2014 zwangspensioniert wurde: „Ich erkenne noch Objekte in Bewegung, wenn sie näher als drei Meter sind und ich kann Farben dann wahrnehmen, wenn sie strahlend sind, vor allem blau, rot und weiß.“

Radler-Verhalten sorgt für Empörung

Detlef Schmidt ist trotz massiver Behinderung von seinem Heim an der Zollvereinstraße aus viel zu Fuß unterwegs im Marler Stadtgebiet, doch er hat dabei ein Problem: „Viele Radfahrer ignorieren und bedrängen mich unterwegs, vielleicht unbewusst, aber das verunsichert mich, das macht mir Angst!“ Schmidt spricht nicht für sich allein. Bei Monatstreffen der Marler Gruppe im Blinden- und Sehbehindertenverein Recklinghausen ist das immer wieder ein Thema, das für Frust und Empörung sorgt.

Dass Detlef Schmidt sehbehindert ist, ist für alle Verkehrsteilnehmer von Weitem klar erkennbar: Die gelbe Blindenbinde, eine gelbe Blindenkappe und der etwa 1.50 Meter lange, beim Gehen hin und her schwenkende Taststock. Dennoch: „Immer wieder spüre ich plötzlich den Luftzug eines Radfahrers, der viel zu dicht an mir vorbeirauscht, und das nicht nur auf kombinierten Rad-/Fußwegen, sondern auch auf reinen Bürgersteigen, zum Beispiel am Bachackerweg!“

Schmidt appelliert an die Radfahrer, Rücksicht zu nehmen, ausschließlich Radwege zu nutzen und bei erkennbar sehbehinderten Menschen einen großen Sicherheitsabstand zu halten.

Fahrräder sind nicht zu hören

Im Straßenverkehr ist das Ohr Schmidts wichtigstes Organ. Menschliche Stimmen, Motoren-, Brems- und Abrollgeräusche geben dem Sehbehinderten die entscheidenden Informationen zur Verkehrslage, natürlich in Kombination mit Rückmeldungen des Taststocks. Das Problem: Fahrräder hört man nicht. „Der Luftzug kommt dann aus dem Nichts, ich erschrecke mich, es besteht Sturzgefahr, da durch die Sehbehinderung auch mein Gleichgewichtssinn gestört ist“.

Von der Stadt erhofft sich Schmidt eine klare Trennung der Fuß- und Radwege mit deutlichen weißen Trennlinien sowie die Beseitigung von Löchern und Stolperfallen auf den Bürgersteigen. Auch geben noch immer viele Fußgängerampeln in Marl kein Piepzeichen bei Grün. Der Pensionär ist viel mit dem Bus unterwegs, lobt ausdrücklich die Hilfsbereitschaft der Busfahrer der Vestischen und kommt zu Fuß gut mit einer Navigations-App für Sehbehinderte zurecht. Rücksichtsvolle Radfahrer wären für ihn eine große Hilfe für sein Ziel: Ein Leben in Eigenständigkeit!

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