Sicherheit hat höchste Priorität

Sonderabfallverbrennungsanlage arbeitet in Marl seit 30 Jahren

Der Chemiepark Marl verfolgt die Ursachensuche nach dem verheerenden Unglück in Leverkusen mit größtem Interesse, um eigene Konzepte gegebenenfalls noch zu optimieren.
So wie die Anlagen in der Chemieregion am Rhein um Leverkusen prägt der Chemiepark seit Jahrzehnten das Bild in Marl. © Archiv

Auch im Chemiepark Marl gibt es Tanklager, in denen chemische Produktionsrückstände und brennbare Flüssigkeiten gelagert werden. Und es wird seit mehr als 30 Jahren eine Sonderabfallverbrennungsanlage betrieben, in der Reststoffe, die am Ende der Verwertungskette nicht mehr in Produktionsprozesse eingebunden werden können, kontrolliert entsorgt werden.

Der Chemiepark Marl geht offen damit um – auch und gerade nach der verheerenden Explosion im Chempark Leverkusen. Durch die Explosion am Dienstagmorgen sind (Stand von Freitag) fünf Arbeiter getötet und 31 verletzt worden. Zwei Menschen sind weiter als vermisst geführt.

In intensivem Austausch mit Leverkusen

Ob und welche Rückschlüsse der Chemiepark Marl aus dem Unglück ziehen kann oder muss, ist offen. Ergebnisse der Untersuchungen zu Hergang und Auswirkungen, speziell durch die Rußniederschläge, sind nicht absehbar.

In einer aktuellen Stellungnahme des Chemieparks Marl heißt es: „Auch der Chemiepark bedauert das tragische Unglück in Leverkusen und ist in Gedanken bei den Angehörigen. Nach Klärung der Unfallursache in Leverkusen werden wir mit unseren Experten bewerten, ob unsere ausgereiften Sicherheitskonzepte noch weiter optimiert werden können. Wir verfolgen die Entwicklung in Leverkusen und sind im intensiven Austausch.“

100 Prozent Sicherheit gibt es nie

Ob in der Chemie, früher im Bergbau untertage oder bei Großbauprojekten: 100 Prozent Sicherheit gibt es nie, es geht darum, Risiken so weit wie möglich zu minimieren. „Die Sicherheit ist das höchste Gut“, sagt Alexandra Boy, Sprecherin des Chemieparks Marl, „wir wollen, dass die Menschen morgens gesund ins Werk kommen und abends gesund nach Hause gehen. Jeder im Chemiepark Marl will das und jedem ist bewusst, wie wichtig der Sicherheitsaspekt ist.“

Tatsächlich kommt kein Bericht über die Ausbildung junger Menschen im Chemiepark Marl ohne den Hinweis darauf aus, dass sie von Beginn an für das Thema Sicherheit sensibilisiert werden – und die Anlagen in der Folge von gut geschulten Mitarbeitern betrieben werden.

Grundsätzlich bilden u. a. die Betriebssicherheitsverordnung, das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und die Störfall-Verordnung den Rahmen für Industrieproduktion. Dies gilt auch für die Pläne für eine Modernisierung der Rückstandsverbrennungsanlage (RVA) im Chemiepark Marl. Bisher konnte das alte Kohlekraftwerk Produktionsrückstände mit verbrennen. Das geht nicht mehr, wenn es 2022 durch Gas- und Dampfkraftwerke nebst neuen Tanklagern ersetzt wird. Aktuell können jährlich bis zu 45.000 Tonnen entsorgt werden, die künftige Kapazität ist auf bis zu 195.000 Tonnen ausgelegt.

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