Streuselkuchenbande auf den Spuren der Bergleute

Gesellige Runde: Die Männer der „Streuselkuchenbande“. © SYSTEM
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Seit gut 14 Jahren gehört die „Streuselkuchenbande“ zum gewohnten Bild im Umfeld des Hülser Wochenmarktes. Ins Leben gerufen auf dem Marktplatz von ehemaligen Marler Fußballsportlern zog die Gruppe zehn Jahre später in den benachbarten Jugendtreff „WiLLmA“ um. Seit Beginn der Pandemie haben die „Oldies“ ihr Domizil vor einer Bäckerei in der Hülsstraße aufgeschlagen. Männer der ersten Stunde waren u.a. Walter Dudler vom TuS 05 Sinsen und SC Marl-Hamm-Ikone Eduard Lawitsch. Mittlerweile haben sich zu den Fußballern weitere Mitglieder aus allen Lebensbereichen hinzu gesellt. Jeweils freitags ab 11 Uhr wird an Stehtischen zwanglos und in unterschiedlicher Besetzung über den Fußballsport sowie über Gott und die Welt geredet. Eröffnet wird der Treff stets – wie der Name vermuten lässt – mit einem Streuselkuchenessen.

Viele Informationen aus der Zeit des Bergbaus

Am vergangenen Freitag blieben die Tische jedoch leer. Und das hatte einen guten Grund: Auf Einladung ihres Mitgliedes Michael Heyder, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Heimatvereins Marl e,V., war die Stammtischrunde zu Gast an der Schachtanlage 4/5 der Zeche Auguste Victoria an der Straße „Am Wetterschacht“. Im dort seit 2005 befindlichen Bergbau-Museum im unteren Raum des Fördermaschinenhauses konnten sich die Gäste anhand von Arbeitsbekleidungen, Schichtbüchern, Grubenlampen, Abbaugeräten und Fotomaterial über die Arbeit der Bergleute über und unter Tage informieren. Desweiteren sind Gesteine, Mineralien und Erze zu bewundern. So erfuhren sie zum Beispiel, dass 1928 mit dem Abteufen des Schachtes begonnen wurde. Die Endteufe lag bei 850 m. Das Fördergerüst wurde 1931 errichtet, 1936 begann der Erzabbau. Ein Jahr später endete die Kohleförderung auf der Schachtanlage. Die Erzförderung lief noch bis 1962, wurde dann aber wegen Unrentabilität eingestellt. Das Bergwerk förderte in der Zeit von 1936 bis zur Schließung 1965 über sieben Millionen Tonnen Roherz, Zink und Silber. Dort fand nach dem Zweiten Weltkrieg für viele angehende Bergleute der Gewerkschaft Auguste Victoria auch die Ausbildung statt.

Gute Verpflegung mit legendären „Püttwürstchen“

Im Oberschoss befindet sich die gut erhaltene Fördermaschine, ein faszinierendes Denkmal der Bergbautechnik. Im Außengelände stehen neben dem Förderturm Grubenloks, Loren, Teufkübel, Abbauschilde und andere Geräte. So mancher ehemaliger AV-Mitarbeiter unter den Besuchern fühlte sich am Freitag in gute alte Zeiten zurückversetzt. Da kommt dann schon mal Wehmut auf.

Zum Abschluss eines informativen Vormittags setzten sich die Teilnehmer bei guter Verpflegung mit den legendären „Püttwürstchen“ in fröhlicher Runde zusammen.