Inzidenzwerte sinken

Testzentren in Marl packen ein: Impfpass verdrängt Schnellnachweis

Spiel auf Zeit in allen Belangen: In der Coronavirus-Hochphase wurde „Testen, testen, testen“ als auf vier Monate angelegter Teil der Schutzstrategie forciert. Nun folgt der Wandel.
Ein Corona-Schnelltestzentrum gibt es an der Marler St.Josef-Kirche, Bergstraße, in Marl. © Meike Holz

Testen war gestern, aktuell löst in der Coronavirus-Pandemie der Blick in den Impfpass oder auf den QR-Code im Smartphone das Gefühl von Freiheit aus. Das spüren Testzentren, berichtet Juliane Stark-Kreul. Sie gehört zu Marler Apothekerinnen und Apothekern, die in Pandemie-Hochzeiten ein Zentrum im Pfarrgarten St. Josef eröffnet hatten. Es schließt Ende Juni.

„Pandemie von Anfang an ernstgenommen“

„Dabei war nur mithilfe der Apotheken vor Ort eine flächendeckende Test-Kampagne zu starten und umzusetzen“, sagt Stark-Kreul. „Wir haben die Pandemie von Anfang an ernstgenommen.“

Das Regelwerk für kostenlose Bürgertests inklusive der staatlichen Finanzierung war von Beginn an auf die Monate März, April, Mai und Juni ausgelegt. Wenn Stark-Kreul und ihre Kolleginnen und Kollegen ab 1. Juli mit Testzentren weitermachen wollten, müssten sie erneut Genehmigungs- und Beauftragungsverfahren auf sich nehmen.

Land NRW plant Erstattungs-Reduzierung

Das Ganze bei zurückgehender Testnachfrage und absehbar sinkender Erstattung. Die in NRW noch nicht in eine Verordnung gegossene, aber geplante Erstattungs-Reduzierung von 18 Euro pro Test (12 Euro Dienstleistung/6 Euro Sachkosten) auf 11 Euro (8 Euro/3 Euro) steht an.

Die Anzeige beim Gesundheitsamt über die Testzentrum-Abwicklung ist der einfachere Weg. Stark-Kreul ist Kreis-Vertrauensapothekerin und mit Öffentlichkeitsarbeit beauftragt – sie kennt die Kritik von Kolleginnen und Kollegen, wie mit ihnen umgesprungen wird.

Apotheken standen stets parat

Rückblick: Von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bis hinunter auf Länder- und Kreisebene standen alle Verantwortlichen vor wenigen Monaten noch massiv unter Druck, eine Test-Infrastruktur aufzubauen – so schnell es geht. Koste es, was es wolle.

Welche Meinung in der Öffentlichkeit dominiert: Spahn feuert mit der Geld-Haubitze, Tester verdienen sich „goldene Nasen“. Dass digitale Infrastruktur und Fachpersonal der niedergelassenen Apotheker bezahlt sein wollen, ist keine dieser populären Erzählungen. Etliche Betrugsverdachtsfälle unqualifizierter und auf Vorteilnahme bedachter Test-Glücksritter später ist es Zeit, zu differenzieren.

„Apotheker arbeiten patientenorientiert“

„Die Apotheker vor Ort sind diejenigen, die patientenorientiert arbeiten. Wir haben immer zur Verfügung gestanden, als es darum ging, von jetzt auf gleich alle möglichen Schutzmaßnahmen umzusetzen, so Stark-Kreul.

Zum Finanzierungspaket für Testzentren mit Beauftragung vor dem 30. April gehörten eine einmalige Anschubhilfe und monatliche Aufwandspauschalen, die aber wie bei vielen anderen Corona-Maßnahmen immer noch auf sich warten lassen. Auch bei Apothekerin Stark-Kreul davon bislang nichts angekommen.

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