Coronavirus

Umsatzeinbußen durch privat bezahlte Schnelltests?

Marler Geschäftsleute schauen mit Sorge auf den 11. Oktober, ab dem Schnelltests aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Friseur Mathias Malczok bleibt gelassen.
Uwe Suberg fürchtet auch für seine Erlebnis-Gastronomie Noah's Place weitere Umsatzeinbußen, wenn ab dem 11. Oktober Schnelltests privat bezahlt werden müssen. © SYSTEM

In der Coronakrise verstärken Bund und Länder den Druck auf alle Nichtgeimpften, und das mit Zuckerbrot und Peitsche. Einerseits soll es den unentschlossenen Bürgern mit Impfaktionen vor Ort leicht gemacht werden, sich die Spritze abzuholen. Andererseits wirft der 11. Oktober seine Schatten voraus. Ab dann müssen Nicht-Geimpfte bundesweit den Schnelltest selber bezahlen, wenn sie etwa ein Restaurant besuchen wollen – und da werden schnell mal 30 Euro fällig. Was sagt die Marler Geschäftswelt dazu?

Relativ entspannt geht Mathias Malczok mit dem Thema um. Der Geschäftsführer des Friseursalons an der Hülsstraße stellt zum 1. Oktober von 3G auf 2G um. Ab dann dürfen also nur noch Geimpfte und Genesene zum Haareschneiden kommen. „Wir machen das aus Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern. Diese sind alle geimpft und wir wollen sie optimal schützen.“

In der Praxis ist das auch kein Problem, den in den letzten Wochen sind nur zwei Kunden mit einem Test gekommen. „Unsere Kunden kommen herein, zeigen ihren Impfstatus auf dem Handy vor und los geht’s“, sagt der 62-jährige Friseurmeister: „Wir brauchen diese Sicherheit, denn wir haben beim Waschen und Schneiden den direkten Körperkontakt. Dafür haben unsere Kunden vollstes Verständnis.“ Mathias Malczok kann inzwischen wieder das volle Programm an Friseurleistungen an bieten. Auch die Augenbrauen und der Bart werden gestutzt. „Wir erzielen wieder die alten Umsätze aus der Vor-Coronazeit und werden gut durch den Winter kommen.“

Uwe Suberg fordert Impfpflicht für alle Gesunden

Sorgenvoller blickt Uwe Suberg in die Zukunft. Der Betreiber des Restaurants Noah’s Place am Marler Stern behält dort bis auf weiteres die 3G-Regel bei, um den Kreis der Besucher möglichst groß zu halten, zumal im Außenbereich der Erlebnis-Gastronomie weder Test noch Maske notwendig sind. „Mir fällt die Verunsicherung unserer Gäste auf, die von immer neuen Regeln genervt sind und sich fragen, wieso es drinnen anders ist als draußen.“ Der Gastronom hat nach eigenen Angaben auch in den letzten Wochen coronabedingte Umsatzeinbußen von mindestens 25 Prozent hinnehmen müssen und blickt mit Sorgenfalten Richtung Herbst: „Wenn ab dem 11. Oktober die Tests privat bezahlt werden müssen, werden noch mehr Gäste wegbleiben. Der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes fordert deshalb eine generelle Impfpflicht für alle Gesunden. „Es kann nicht sein, dass einige Impfverweigerer einen solchen gesellschaftlichen Schaden anrichten!“

Frank Siebdraht ist Studioleiter im City of Sports an der Bergstraße. In seinem Fitness-Center gelten die 3G-Regeln. Er fürchtet weitere wirtschaftliche Einbußen, wenn die Tests privat bezahlt werden müssen. In der Coronakrise sind viele Kunden abgesprungen, obwohl die Beiträge über sieben Monate storniert wurden. „Wir haben auch Kunden, die sich nicht impfen lassen wollen und jetzt mit Kündigung drohen.“ Siebdraht hat noch die Stimme eines Kunden im Ohr, der ihm genau vorgerechnet hat, das er und seine Frau bei viermal wöchentlichem Besuch im Fitness-Center hunderte von Euro im Monat nur für die Tests ausgeben müssten. Siebdraht weiß: „Das werden sie niemals tun.“

„Keiner zahlt 30 Euro, nur um ins Kino zu gehen“

Auch für Maximilian Meynigmann ist klar: „Die Leute werden nicht 30 Euro für einen Test ausgeben, nur um ins Kino zugehen.“ Der 24 Jahre junge Betreiber der Loe-Studios, in denen zurzeit die 3G-Regeln gelten, ist sich sicher, dass die meisten seiner Besucher geimpft sind, wirbt aber trotzdem dafür, keinen faktischen Impfzwang einzuführen: „Ich bin zwar selber geimpft, kann aber nachvollziehen, das gerade junge Leute keine Impfung wollen. Solange 2G nicht vorgeschrieben wird, ist das für mich kein Thema.“

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