Zwischen Tür und Angel

Vertreter droht mit toter Internetleitung

Die Firma „Ranger“ bietet Marler Bürgern an der Haustür Telekommunikations-Verträge an. Was Verbraucherschützer dazu sagen.
Bei Angeboten an der Haustür rät die Marler Verbraucherzentale zur Vorsicht. Meistens zahlen Kunden dabei drauf. © Patrick Köllner

Mitte Juli klingelte es bei Ellen Koch an der Tür. Die junge Frau öffnete und vor ihr stand ein mit einer Telekom-Jacke bekleideter Mann, der ihr ein Angebot machen wollte. Anstatt die Tür wieder zu schließen, hörte sich Ellen Koch in aller Ruhe an, was der Mann zu sagen hatte. „Er sagte, dass meine Nachbarn sich über zu langsames WLAN beschwert hätten und wollte wissen, ob das bei mir abends auch so wäre“, berichtet Ellen Koch. Als sie erwiderte, dass ihre Internetgeschwindigkeit durchgehend gut sei, wechselte der Mann das Thema.

Unterschreiben oder offline sein

So würden demnächst Glasfaserkabel für den Breitbandanschluss verlegt werden. Sollte Ellen Koch nicht zur Telekom wechseln, hätte sie bald kein Internet mehr. Da sie noch in der Ausbildung ist und coronabedingt auch viel von zu Hause aus arbeiten muss, wäre das für die junge Frau beruflich eine Katastrophe. Als Ellen Koch dem Fremden jedoch erzählte, dass sie erst vor wenigen Monaten bei einem anderen Anbieter einen Vertrag unterschrieben hatte, sank das Interesse des Mannes schlagartig auf Null. „Vermutlich hat er realisiert, dass ich nicht so schnell zur Telekom wechseln kann“, vermutet sie.

Dienstleister im Telekom-Auftrag

Wie Ellen Koch uns mitteilt, war der unangemeldete Besucher ein Mitarbeiter der Ranger Marketing & Vertriebs GmbH aus Düsseldorf. Dabei handelt es sich um einen Dienstleister, der laut seiner Webseite im Auftrag der Telekom, aber auch für den direkten Konkurrenten Vodafone oder den Energiekonzern E.ON Hausbesuche durchführt.

Dass Ranger für die Telekom aktiv ist, bestätigt Frank Neiling auf Nachfrage. Bei der Telekom ist er zuständig für den Breitbandausbau im Kreis Recklinghausen. „Ranger ist grundsätzlich ein guter Dienstleister, über den es nur wenige Beschwerden gibt“, sagt Frank Neiling. Er räumt aber ein, dass es bei Ranger durchaus Mitarbeiter geben könne, die über das Ziel hinausschießen. In solchen Fällen seien Nachschulungen oder auch Ermahnungen möglich. Denn: „Niemand will verärgerte Kunden.“

Bleibt die Frage, ob für den Anschluss ans schnelle Breitband zwingend ein Telekom-Vertrag notwendig ist. „Nein“, antwortet Frank Neiling. Das bestätigt auch Reint Jan Vos, Leiter der Verbraucherzentrale Marl. „Das Argument, kein Internet mehr zu haben ist eine Top-Möglichkeit, um Leuten Angst zu machen“, sagt Reint Jan Vos. Tatsächlich können Kunden auch über andere Anbieter den Glasfaseranschluss nutzen – wenn er zu ihrem Haus führt. Der Verbraucherschützer rät aber davon ab, an der Haustür Geschäfte abzuschließen. Reint Jan Vos: „Das wird immer teurer.“

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