Müllsortieranlage im Chemiepark

Warum es bei Alba immer wieder brennt

Am frühen Mittwochmorgen sorgte ein Feuer auf dem Gelände der Müllsortieranlage am Chemiepark für Alarm. Die Ursache bleibt unklar, es gibt aber einen üblichen Verdächtigen.
Immer rückt die Müllsortieranlage der Firma Alba am Chemiepark Marl in die Schlagzeilen. So wie durch diesen Brand im April 2019. © Archiv (Guido Bludau)

Am Mittwochmorgen brannte es einmal mehr in der Müllsortieranlage der Firma Alba am Lipper Weg. Gegen 6.40 Uhr wurde der Alarm laut Alba-Pressesprecher Henning Krumrey ausgelöst, um etwa 9 Uhr war das Feuer aus. Anschließend fanden bis 10 Uhr Nachlöscharbeiten statt. Entstanden war der Brand in der Grobsortierung der Leichtverpackungs-Sortieranlage. Die Ursache ist noch unklar. Sehr wahrscheinlich aber ist, dass erneut ein achtlos weggeworfener Handy-Akku der Grund gewesen sein könnte, teilt der Pressesprecher mit.

Rauch zieht in mehrere Stadtteile

Die Werkfeuerwehr löschte den Brand, zusätzlich wurde die Feuerwehr der Stadt Marl alarmiert. Rauch und Geruchsbelästigung waren für die Anwohner in den Stadtteilen Drewer, Brassert und Lippe und zum Teil auch darüber hinaus deutlich wahrzunehmen.

„Wir haben das durchaus gerochen“, berichtete uns beispielsweise ein Bewohner der Blumensiedlung. Eine Gesundheitsgefährdung für Anwohner rund um den Chemiepark lag nach Angaben des Kreises Recklinghausen nicht vor, besondere Schutzmaßnahmen wären deshalb auch nicht erforderlich gewesen.

Schwer verletzt wurde auf dem Werksgelände niemand. Vier Mitarbeiter von ALBA waren bei Vorlöscharbeiten allerdings Rauchgasen ausgesetzt. Sie wurden zur Kontrolle in umliegende Krankenhäuser gebracht, konnten die Kliniken aber kurz darauf wieder verlassen. Wegen der Erhitzung musste eine der drei Abluft-Filteranlagen vorübergehend abgeschaltet werden.

Leider kein Einzelfall

Rückblick: Seit Inbetriebnahme im Januar 2019 sorgte die Sortieranlage für Leichtverpackungen des Entsorgungsunternehmens Alba am Chemiepark immer wieder für Schlagzeilen (wir berichteten in allen Fällen). Im Oktober 2020 kamen fünf Mitarbeiter nach einem Brand mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.

Politik forderte Stilllegung

Nach einem anderen Brand forderten Marls Ratsfraktionen im August letzten Jahres sogar den Entzug der Betriebserlaubnis durch den Kreis.

Anfang Januar 2020 nahm Alba den Betrieb wieder auf, nachdem die 75 Millionen Euro teure Anlage im April 2019 durch einen Großbrand zerstört wurde. Und es kam noch schlimmer: Wenige Tage nach der Inbetriebnahme im Januar 2020 verunglückte ein Arbeiter tödlich.

Neben den Problemen im Werk beschwerten sich viele Anwohner wiederholt über unangenehmen Müllgeruch sowie das vermehrte Aufkommen von Fliegen in ihren Gärten und Wohnungen. Aufgrund der massiven Kritik investierte Alba später rund zehn Millionen Euro in neue Technik wie Aktivkohlefilter und Schnelllauftore, die Gestank verhindern sollen sowie in zusätzlichen Brandschutz.

Immer wieder Akkus?

Dass es immer wieder zu Bränden führende Akku-Problem beschreibt Alba-Sprecher Henning Krumrey so: „Der zu sortierende Müll landet unter anderem auch in Siebtrommeln. Die funktionieren wie Waschmaschinen und sortieren den Müll dabei aus. Akkus können darin Stößen ausgesetzt werden, die zur Erhitzung und schließlich zur Entzündungen führen.“ Das sei eine chemische Reaktion und geschehe wetterunabhängig im Sommer wie im Winter.

Zu verhindern sei das Problem so gut wie gar nicht. „Wir finden stapelweise Akkus im Müll“, sagt der Pressesprecher. Dahinter vermutet er noch nicht mal böse Absicht. „Entweder werfen die Leute die Akkus gedankenverloren in die gelbe Tonne, oder sogar bewusst, weil sie meinen, dass die Akkus Wertstoffe enthalten, die aussortiert und recycelt werden.“ Dass dem nicht so ist, sorgt laut Henning Krumrey in Marl jährlich für 60 bis 120 Alarme und Fehlalarme. Viel zu tun für die Einsatzkräfte.

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