Warum in Marl so viele Bezeichnungen mit „Loe“ beginnen

Enthüllten die Tafeln an der Loestraße: (v. li.) Ken Sheerins (Irish Pub), Uta Heinrich und Annette Overbeck (Bürgerstiftung), Sylvia Eggers, Matthias Pothmann (Historiker) sowie Gerd und Brigitte Kluth (Bürgerstiftun
Enthüllten die Tafeln an der Loestraße: (v. li.) Ken Sheerins (Irish Pub), Uta Heinrich und Annette Overbeck (Bürgerstiftung), Sylvia Eggers, Matthias Pothmann (Historiker) sowie Gerd und Brigitte Kluth (Bürgerstiftung). © Privat
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An gleich zwei Straßen – Loestraße in Alt-Marl und Hagenstraße in Drewer – enthüllte die Marler Bürgerstiftung neue Legendenschilder. Sie geben Auskunft über die lange Geschichte von Familie und Haus Loe. Kaum eine Familie war über die Jahrhunderte so eng mit Marl verbunden. Mit Regioguide Sylvia Eggers enthüllten Vertreter der Bürgerstiftung an der St. Georgskirche ein Zusatzschild an der Loestraße.

Nach Wasserburg benannt

Die Straße wurde benannt nach der alten Wasserburg Haus Loe (oder „Strevelsloe“), zu der sie einst führte. Diese wiederum befand sich an der Hagenstraße, wo heute Gymnasium und Sportplätze liegen. Dazu erklärt der Marler Historiker Matthias Pothmann: „Knapp zusammengefasst kann man sagen, dass das Haus Loe im 12. Jahrhundert von einer Adelsfamilie namens ‚Herren von Marl‘ erbaut wurde.“

Zeichnung vom Haus Loe im 17. Jahrhundert mit Blick von der Gaußstraße in Richtung Polizei/Hagenstraße, also auf die Ostseite der Burg mit Graben und Brücke.
Zeichnung vom Haus Loe im 17. Jahrhundert mit Blick von der Gaußstraße in Richtung Polizei/Hagenstraße, also auf die Ostseite der Burg mit Graben und Brücke. © Privat

Etwa um 1360 kam die Familie von Loe in den Besitz von Burg und dazugehörigem Grundbesitz. Pothmann führt aus: „Über die Jahrhunderte starben die männlichen Linien derer von Loe aus. Wegen gescheiterter Machtpolitik und finanzieller Nöte wurde der Besitz der Familie schließlich nach und nach versteigert, auch die Loemühle.“

Patronatsrecht erworben

Der Wahlspruch der Familie „Wer hoch hinaus will, kann tief fallen“ bekommt laut Matthias Pothmann so eine doppelte Bedeutung. Die Mühle, Flurnamen wie „Loekamp“ und auch das Familienwappen „Krampe“, heute Teil des Stadtwappens, sind letzte Zeugen des Loeschen Erbes. 1807 erwarb die Familie von Krane das Haus Loe mitsamt Ländereien und Rechten. Dazu zählte auch das Patronatsrecht. Dadurch war es der Familie Loe erlaubt, neue Kandidaten für das Amt des Pfarrers von St. Georg vorzuschlagen.

Abriss und Neubau

Herzog von Arenberg kaufte im März 1863 die Wasserburg und ließ sie abreißen. Pothmann: „Die Marler Bauern und Bürger nutzten die Gelegenheit und nahmen Steine des Anwesens für private Bauten mit nach Hause.“ So fanden sich bis zum Zweiten Weltkrieg Abgrenzungssteine mit Löwenkopf an einem Haus in der Ophoffstraße wieder. „Einfacher und günstiger konnten die Marler nicht an solche Baumaterialien kommen“, so der Historiker.

Einzig der Schafstall blieb bis ins letzte Jahrhundert erhalten, er wurde zum Forsthaus umgebaut. Daran erinnert bis heute die Bezeichnung „Försterbusch“ an der Polizeiwache. Vom restlichen Anwesen blieb im Stadtbild nichts erhalten. Nur der Name der Hagenstraße erinnert dort an den Adelssitz.

Die Vorsitzende der Marler Bürgerstiftung Uta Heinrich sagt: „Umso wichtiger ist es deshalb, wenn mit den Schildern an der Hagenstraße auf die Geschichte des Hauses Loe hingewiesen wird. Bislang fand sich kein Hinweis vor Ort. Wir haben das geändert. So wird dieses wichtige Kapitel Marler Vergangenheit wieder etwas erlebbar.“

Der Straßenname leitet sich vom Hagen ab. Darunter verstand man den Teil des Areals, der durch Hecken und Wälle eingehegt als Schutzanlage diente. Auch die Hagebutte als Dornpflanze hat hierher ihren Namen. Matthias Pothmann: „Vielleicht mag es auch am Hagen gelegen haben, dass Haus Loe im Dreißigjährigen Krieg nie eingenommen werden konnte.“

Aus „Matsch“ wird Loe

Auch Heimatpreisträgerin Sylvia Eggers weiß einiges über die Loestraße zu berichten. So nannten Marler die Strecke lange „Moatstroot“ (Matschstraße), weil hier vor Einrichtung der Kanalisation Abwasser entlanglief. Seit 1912 heißt sie Loestraße. Sylvia Eggers: „An der Loestraße stand das erste Kino Marls ebenso wie die erste Apotheke im Ort. Die kurze Zeit später eingerichtete elektrische Straßenbeleuchtung war für das kleine Marl dann fast schon Luxus.“

Auch Ken Sheerins, Inhaber des Irish Pub an der Loestraße/Ecke Hochstraße, schaute bei der Enthüllung vorbei und freute sich über Heimatkunde vor der Haustür. Bisher wurden 26 Straßen von der Bürgerstiftung mit Schildern versehen.