Neue Satzung verschoben

Warum Schutz für Bäume in Marl ein „heißes Eisen“ ist

Die Inkraftsetzung einer neuen Baumschutzsatzung wird durch den Stadtrat verschoben. Fällungen im Stadtgebiet sollen erschwert, Ersatzpflanzungen massiv verteuert werden.
Wenn Bäume gefällt werden, gibt es nicht selten Streit. In Marl sollen die grünen Riesen künftig besser geschützt werden. © dpa

Ein Baum vor dem Haus kann reichlich Ärger und Arbeit machen, sogar Gefahren heraufbeschwören. Im Marler Stadtbild, so klagen Umweltschützer, ist deshalb in den letzten Jahren mancher Baum verschwunden. Die aktuell geltende Baumschutzsatzung aus dem Jahr 2007 hat es offenbar allzu einfach gemacht, die grünen Riesen zu fällen. Deshalb soll jetzt eine neue Satzung her. Doch die Fraktionen im Marler Stadtrat tun sich schwer, den vorliegenden Entwurf in Kraft zu setzen. Vor der Sommerpause wurde das Problem einmal mehr verschoben, ein interfraktioneller Arbeitskreis eingesetzt. Die neue Baumschutzsatzung sei ein „heißes Eisen“, heißt es in der Verwaltungsspitze. Doch warum eigentlich?

Bisher sind Bäume in Hausnähe praktisch ohne Schutz

Wenn im Herbst das Laub fällt, fällt es vor allem älteren Menschen schwer, der Blättermassen Herr zu werden. Nicht jedem passt der große Schatten, den die grünen Riesen werfen. Mancher Anwohner fürchtet gar, schwere Äste könnten herunterbrechen oder mächtige Wurzeln die Kellerwände eindrücken. Nicht selten steht ein Baum einfach im Weg, wenn ein Bauvorhaben realisiert werden soll. Die alte, aktuell noch gültige Baumschutzsatzung aus dem Jahr 2007 macht es vor allem bei Bäumen, die näher als sechs Meter an einem Gebäude stehen, relativ einfach, diese zu beseitigen. Sie sind nicht geschützt. Mit ihnen kann praktisch nach Gutsherrenart verfahren werden. In den letzten Jahren wurden auffallend viele Bäume in Marl gefällt, was Naturschützer kritisierten. Die zuletzt erhobenen 500 Euro Gebühr sind für eine Ersatzpflanzung durchaus überschaubar. Doch das soll sich bald ändern.

Ersatzpflanzung könnte bald 1000 Euro kosten

Im Entwurf der künftigen Satzung haben Naturschutz und Landschaftspflege deutlich mehr Gewicht. Die Sechs-Meter-Zone wird aufgehoben. Jeder Baum mit einem Stammumfang von 80 Zentimeter und mehr soll unter Schutz stehen. Die Beantragung einer Genehmigung für die Fällung wird deutlich aufwendiger, und: Der Entwurf sieht eine Verdoppelung der Gebühr pro Ersatzpflanzung auf 1000 Euro vor. Eine Bearbeitungsgebühr von 46 Euro pro Baum kommt obendrauf. Auch abgelehnte Anträge müssen bezahlt werden. Verstöße gegen die Satzung können als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Das dürfte in der Summe manchen grünen Riesen vor einem abrupten Ende bewahren. Zudem sollen auch Hecken künftig geschützt sein, doch noch ist es nicht so weit.

Auch Interessenvertreter sollen gehört werden

Stadtsprecher Rainer Kohl, betont, dass der Entwurf keineswegs beschlossen ist. Der interfraktionelle Ausschuss wird weiter beraten. Auch sollen Interessenvertreter gehört werden, etwa der Naturschutzbund (Nabu), Marler Wohnungsbauunternehmen oder Haus und Grund. Erst dann wird der endgültige Entwurf dem Rat zur Beschlussfassung vorgelegt. Wann das sein könnte, ist offen.

Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Grundsätze des Entwurfs werden von den Fraktionen getragen. Der Teufel steckt offenbar im Detail. Für Nabu-Sprecher Erwin Gebauer jedenfalls ist der Entwurf ein großer Fortschritt. „Die neue Satzung ist gut durchdacht, zumal künftig auch Hecken geschützt werden. Sie sollte möglichst bald in Kraft treten!“ Die alte sei unter den Bedingungen des Klimanotstands einfach nicht mehr zeitgemäß.

Gebauer bekommt nach eigenen Angaben regelmäßig Anrufe von Bürgern, die sich um bedrohte Bäume sorgen. Aber auch für ihn ist klar, das es natürlich auch künftig möglich sein muss, Bäume zu beseitigen, die eine Gefahrenquelle für Bürger darstellen. Dies aus reiner Bequemlichkeit zu tun, sei jedoch grundverkehrt. „Bäume machen für die Umwelt keinen Dreck“, sagt Gebauer: „Das sind die Menschen.“

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