Hobby Horsing

Wenn das Steckenpferd zum Trendsport wird

Zwei Schülerinnen betreiben das aus Finnland stammende Hobby Horsing. Das ist anstrengender, als es aussieht.
Mara (li.) und Laura präsentieren ihre Steckenpferde Betty und Ginny. Dafür gaben sie bis zu 60 Euro aus. © Patrick köllner

Kinos sind zu, Konzerte abgesagt und auch Sportvereine bieten derzeit keine Veranstaltungen an. Wenn Kinder und Jugendliche ihre Freizeitgestaltung nicht auf Handys und Videospiele in den eigenen vier Wänden beschränken wollen, müssen sie in Corona-Zeiten selbst aktiv werden. Genau das tun die beiden Schülerinnen Mara (13) und Laura (11). Normalerweise ist noch eine dritte Freundin im Bunde, aber sie ist bei unserem Termin verhindert.

Alternative zum geschlossenen Reitstall

Weil ihr Reitstall mit echten Pferden geschlossen ist, treffen sich die Mädchen einmal wöchentlich auf einem benachbarten Spielplatz zum sogenannten Hobby Horsing. Dabei handelt es sich um einen Trendsport aus Finnland, bei dem die Teilnehmer auf Steckenpferden (Englisch: hobby-horse) über Hindernisse springen.

In Finnland gibt es bereits viele lokale Turniere und sogar eine nationale Meisterschaft. Dabei treten Hunderte fast ausschließlich weibliche Teilnehmerinnen vor bis zu 1000 Zuschauern an. Hobby Horsing entdeckt haben die Schülerinnen bereits im letzten Jahr – durch Handy- und Internetvideos. Die Begeisterung wuchs schnell.

Mit ihren „Pferden“ springen Laura und ihre Mara über selbst gebaute Hindernisse. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Ein Pferd aus dem Internet

Die Folge: So ein Hobby-Horse musste her. Fündig wurden die Mädchen im Internet. Die Preise der handgemachten Puppen können für Taschengeldbudgets aber happig sein. „Die kosten bis zu 250 Euro“, sagt Laura. Darum hielt sie wie ihre Freundinnen im Internet-Auktionshaus Ebay nach gebrauchten Exemplaren Ausschau – und wurde fündig.

Zwei Pferde im Stall

Lauras Pferd Ginny (Kurzform für Virginia) kostete knapp 55 Euro. Mara gab für ihr erstes Hobby Horse Calido 45 Euro aus. Mittlerweile besitzt sie sogar ein zweites Pferd. Das heißt Betty und war etwas teurer, hat dafür aber einen Vorteil gegenüber Calido: „Auf Dauer war Calido zu schwer. Viele Sprünge waren damit zu anstrengend“, erklärt Mara.

Pferde werden vererbt

Das ist auch einer der Gründe, warum Besitzer sich von ihren Pferden trennen. Ein anderer ist, weil das Interesse am Hobby Horsing irgendwann verloren gehen kann. Denn: Die Anhängerschaft des Sports ist nicht nur überwiegend weiblich, sondern mit zehn bis 18 Jahren auch relativ jung. Folglich wachsen die Mädchen aus dem Hobby Horsing heraus. Für Mara und Laura ist das kein Thema. „Bevor ich meine Pferde verkaufe, vererbe ich sie später lieber“, stellt Mara klar und muss lachen.

Den Trendsport Hobby Horsing entdeckten die Marler Schülerinnen im Internet. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Ohne Musik geht es nicht

Auf dem Spielplatz demonstrieren die beiden dann Hobby Horsing in voller Aktion. Zu ausgewählten Songs aus dem mitgebrachten Bluetooth-Lautsprecher (ohne Musik geht es nicht) hüpfen sie abwechselnd über ein in der Höhe variierendes Hindernis.

So anstrengend wie Leichtathletik

Nach dem Warmlaufen liegt die Latte auch mal bei einem Meter. Stürze gab es reichlich, „aber das tat nie wirklich weh“, erklärt Laura. Der Spaß am Sport überwiegt sowieso. Trainingseinheiten von bis zu fünf Stunden sind für die Mädchen keine Seltenheit. „Das ist ungefähr so anstrengend wie Leichtathletik“, sagt Mara.

Lass die anderen reden

Dass Hobby Horsing durchaus belächelt wird, ist den Schülerinnen bewusst, aber damit können sie gut leben. „Wenn wir auf der Straße unterwegs sind, wundern sich manche Leute, was wir da machen“, sagt Laura. Ihr Motto: „Lass die anderen einfach reden und bleib so, wie du bist.“ Ein bemerkenswert weiser Satz von einer Elfjährigen, dem nichts mehr hinzuzufügen ist.

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