Sturmgewehre in Marl beschlagnahmt

Zoll stoppt mit Zugriff in Sinsen illegalen Handel mit Kriegswaffen

Zwei Festnahmen: Einsatzkräfte des Zollfahndungsamts Essen und der Polizei haben neben einer Kalaschnikow AK 47 und einem Sturmgewehr AR 15 Hunderte Schuss Munition sichergestellt.
Das Symbolbild zeigt Sturmgewehre des Typs AK-47 (Awtomat Kalaschnikowa). Die ursprüngliche russische Militärwaffe ist in zig Versionen weltweit millionenfach verbreitet. © dpa

Es gibt brisante Stichworte, bei denen Ermittler hellhörig werden. Der Komplex „Illegaler Handel mit Kriegswaffen“ gehört ganz sicher dazu. Bei einem Zugriff in Marl-Sinsen haben Spezialkräfte des Zoll mit Unterstützung der Polizeipräsidien Recklinghausen und Münster zwei Männer festgenommen und Sturmgewehre mit mehreren Hundert Schuss Munition sichergestellt.

Wie die Marler Zeitung seinerzeit berichtete, hatten die Ermittler bereits am Donnerstag, 20. Mai, gegen 19.30 Uhr im Bereich Halterner Straße/Mühlenstraße zugeschlagen. Im ersten Bericht hieß es, dass die Beamten bei einer Fahrzeugkontrolle eine Schusswaffe gefunden hätten. Zeugen waren auf die Kontrolle aufmerksam geworden.

Wie sich im Nachgang herausstellte, handelte es sich nach Informationen der Marler Zeitung tatsächlich um ein Sturmgewehr vom Typ AK 47 mit mehreren Hundert Schuss Munition.

Zwei Männer – einer aus Wetter/Ruhr und ein 55-Jähriger aus Sprockhövel – wurden bei dem Zugriff festgenommen. Der Fund der Kriegswaffe erklärt, dass sich in der Folge Schweigen über den Fall senkte, um die Anschlussermittlungen nicht zu gefährden.

Wohnungen wurden durchsucht

In der Tat gab es im Zuge der Anschlussermittlungen Wohnungsdurchsuchungen in Wetter und Sprockhövel – die Ermittler stießen auf ein Sturmgewehr – besagtes ArmaLite AR-15 – mit 320 Patronen. Zudem auf zwei Pistolen und einen Revolver, weitere 100 Schuss Munition, Trommel- und andere Maschinenwaffen, Magazine, Testesteron-Ampullen und 10.000 Euro Bargeld.

Haftbefehl erlassen

Gegen beide Beschuldigten wurde Untersuchungshaftbefehl erlassen, der 55-Jährige aus Sprockhövel soll sich seit zwei Tagen wieder auf freiem Fuß befinden.

Der Ursprung des Verfahrens geht offenbar auf die Arbeit der erst 2020 gebildeten Ermittlungseinheit Wirtschaftskriminalität zurück. Sie soll schon seit Oktober Ermittlungen gegen den 60-Jährigen aus Wetter unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung geführt haben. Involviert waren u.a. Kräfte des Zollfahndungsamtes Essen. Im Zuge der Maßnahmen sollen sich Hinweise darauf ergeben haben, dass sich der Beschuldigte eine Schusswaffe zulegen wollte und der 55-Jährige das anbahnen sollte.

Zugriff durch Zoll und Polizei

Der Zugriff von Zoll und Polizei in Marl machte dem ein Ende, gegen die Männer sind Verfahren wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz bzw. des Verdachts des gewerbsmäßigen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz anhängig.

Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sind hoch strafbewehrt. Bei einer Verurteilung drohen in einem „einfachen“ Fall Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu fünf Jahren. In besonders schweren Fällen – bei gewerbsmäßigem Vorgehen ist man schnell dabei – stehen bis zu zehn Jahre in Rede.

Unter den Begriff Kriegswaffen fallen vollautomatische Sturmgewehre, die zur in Deutschland verbotenen Abgabe von Serienfeuer geeignet sind.

Sturmgewehre verbinden die Feuerkraft einer Maschinenpistole mit der Präzision einer Büchse.

Die in Marl-Sinsen sichergestellten Waffen gehören zu einer Gattung, die weder für das Sportschießen noch für die Jagd geeignet sind. Zweckbestimmung ist das Töten von Menschen.

Die ursprüngliche russische Militärwaffe AK-47 im Kaliber 7,62×39 hat eine theoretische Feuerkadenz von 600 Schuss in der Minute, gilt als äußerst robust und ist weltweit bei Terroristen wegen leichter Bedienbarkeit und Verfügbarkeit beliebt.

Das ArmaLite AR-15 im Kaliber .223 Remington (5,56 × 45 mm NATO) war ursprünglich die später zum M 16 weiterentwickelte und im Vietnamkrieg eingeführte amerikanische Antwort auf russische Vollautomaten.

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