An der Leharstraße 3

Pfarrkirche St. Josef in Oer-Erkenschwick soll Baudenkmal werden

Die Pfarrkirche St. Josef an der Leharstraße 3 in Oer-Erkenschwick soll als Baudenkmal unter Schutz gestellt werden. Das wollen die Denkmalschützer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.
Die katholische Pfarrkirche St. Josef an der Leharstraße 3 in Oer-Erkenschwick soll zu einem Baudenkmal werden. © Jörg Gutzeit

Die Pfarrkirche St. Josef an der Leharstraße 3 in Oer-Erkenschwick soll als Baudenkmal unter Schutz gestellt werden. Das ist das Ergebnis der Untersuchung mit dem Titel „Erkennen und Bewahren – Kirchen der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen – Kirchenbau nach 1945 im Bistum Münster“ die die Denkmalschützer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe durchgeführt haben. Jetzt beschäftigt sich der Stadtentwicklugsausschuss am Montag, 28. Juni, ab 17 Uhr in der Stadthalle mit dem Thema.

Am Kirchen-Erhalt in Oer-Erkenschwick besteht öffentliches Interesse

Die Denkmalschützer sind der Auffassung, dass die katholische Pfarrkirche St. Josef mit all ihren Nebenbauten ein Baudenkmal ist, das nach § 2, Abs. 1 Denkmalschutzgesetz NRW unter Schutz zu stellen ist. An der Erhaltung und dauerhaften Nutzung der Gebäude würde ein öffentliches Interesse bestehen.

Die Pfarrkirche wurde 1972 als Ersatz für den nicht mehr existierenden Vorgängerbau an der Kirchstraße errichtet. Sie ist seitdem die katholische Hauptkirche für den Ortsteil Groß-Erkenschwick und erlangt in dieser Funktion – wie Kirchen allgemein – eine Bedeutung als Ort des gemeinschaftlichen und regelmäßigen Gottesdienstes, meinen die Denkmalschützer.

Kirchenzentrum ist bedeutend für Oer-Erkenschwick

In der Begründung der Denkmalschützer heißt es weiter: „Außerdem ist das Kirchenzentrum St. Josef bedeutend für Städte und Siedlungen. Die Stadt Oer-Erkenschwick entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in baulicher Hinsicht erheblich. Dazu gehört das verdichtete Geschäftszentrum um den Berliner Platz – nur einige Gehminuten von St. Josef entfernt – sowie durchgrünte Wohnviertel mit zellenförmiger Bebauung und vergleichsweise geringer Verdichtung im Kontrast dazu. In solche Wohnviertel eingebettet wurden Gemeinschaftsfunktionen, hier Schulgebäude sowie das Kirchenzentrum mit Kindergarten und Pfarrheim. Diese Funktionen sind in dem vorliegenden Wohnviertel baulich konzentriert. Sie veranschaulichen das städtebauliche Konzept eines durchgrünten Wohnviertels mit offener Bebauung in Verbindung mit konzentrierten Schul- und Sozialfunktionen. Das Kirchenzentrum St. Josef ist Teil dieses Konzeptes der 1960er Jahre (Kirchenplanung ab 1967). Es erlangt damit einen Aussagewert für die Architektur- und Siedlungsgeschichte der Stadt OerErkenschwick und veranschaulicht in Verbindung mit anderen Gebäuden den historischen Entwicklungsprozess der Stadt. Vor diesem Hintergrund ist die Disposition, Gliederung und Abfolge der Freiflächen und der Abstandsflächen rund um die Gebäude von Relevanz für den Denkmalwert.“

Bauwerk in Oer-Erkenschwick ist bedeutsam für die Wissenschaft

An der Bauweise der St. Josef-Kirche scheiden sich seit Jahrzehnten die Geister. Aber die Denkmalschützer meinen: „Konstruktionshistorisch ist das überregional bekannte Mero-Bausystem der Firma Max Mengeringhausen hier in einer besonders klaren und ausdrucksstarken Formgebung ausgebildet worden. So besteht das Raumfachwerk aus Quadraten. Es ist aber selbst auch ein präzises Quadrat. Die vier Stützen sind auch quadratisch und laufen nach unten auf einen präzisen Lagerpunkt zu. Stützen und Platte sind unterscheidbar, aber nahtlos aus ein und demselben System entwickelt. Das in Oer-Erkenschwick vorliegende Raumfachwerk ist damit bedeutsam für die Wissenschaft der Baukonstruktion, denn es veranschaulicht die gestalterischen Möglichkeiten und Qualitäten, die in der disziplinierten Verwendung des Systems stecken.“

Werk eines in Deutschland führenden Architekten

Außerdem sei das Gebäude aus architekturwissenschaftlichen Gründen bedeutend, weil es ein exponiertes Werk eines in Deutschland auch führenden und bekannten Architekten ist, der mit diesem Werk erneut einen bemerkenswerten Beitrag zum Thema Kirchenbau geleistet habe. Damit sei St. Josef ein Objekt, das zur Erforschung und Dokumentation der jüngeren Architekturgeschichte geeignet sei. Die architekturgeschichtliche Bedeutung liege einerseits im Werk des Architekten Joachim Schürmann, der mit der katholischen Kirche Christkönig in Wuppertal-Elberfeld (1960) bereits einen klaren, gerichteten Rechteckraum schuf, der mit einem Raumfachwerk aus Holz gedeckt ist. Ein Jahr später realisierte Schürmann mit St. Stephanus in Köln-Lindenthal einen länglichen Rechteckbau mit filigraner innenliegender Konstruktion aus schlanken Stützen sowie einer davon unabhängigen raumabschließenden „Membrane“ als Glas/ Metallkontruktion. Beide genannten Kirchen sind in der kirchenbaulichen Literatur gut bekannt. Schürmanns Bau in Oer-Erkenschwick aber stelle die Synthese dar aus Raumfachwerk (Wuppertal) und Raummembrane (Köln), und dies unter dem veränderten Vorzeichen des „nachkonziliaren“ Kirchenbaus in der katholischen Kirche.

Denkmalschützer heben architekturgeschichtliche Bedeutung hervor

Andererseits liege die architekturgeschichtliche Bedeutung in der hier besonders eindrucksvoll realisierten, konsequenten Trennung zwischen Konstruktion, Raumhülle und Funktion. St. Josef ist ein besonders sprechendes Beispiel für einen nahezu neutralen Raum, der von allen vier Seiten Zugänge besitzt, vier gleiche Stützen umfasst, vier fast identische Außenwände aufweist, so dass sich das funktionale Geschehen auf nahezu neutraler Fläche entwickeln kann.

Kindergarten St. Josef wird nicht unter Schutz gestellt

Der Kindergarten ist Teil des ursprünglichen Gesamtentwurfs. Aber: Nach zwischenzeitlichen Abstimmungsgesprächen mit der Kirchengemeinde und der zuständigen Abteilung Bauwesen des Bistums Münster, deren Vertreter einer Eintragung als Denkmal grundsätzlich positiv gegenüberstehen, ist beschlossen worden, dass der Kindergarten nicht mit als Denkmal in die Liste aufgenommen

Begründet wird dies seitens der Unteren Denkmalbehörde mit bisher durchgeführten baulichen Änderungen am Gebäude selbst und der fehlenden Zurichtung zu den übrigen Kirchgebäuden. Zudem sei aufgrund baulicher Mängel und nicht mehr zeitgemäßer Zuschnitte seitens der Kirchengemeinde Handlungsbedarf am Gebäude des Kindergartens festgestellt worden. Eine Unterschutzstellung würde die Lösungssuche für die Kirchengemeinde seitens der Unteren Denkmalbehörde nur unnötig erschweren.

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