Waschmaschine, Handy und Co.

Wenn das Reparieren von Elektrogeräten künstlich erschwert wird

In den USA soll es unterbunden werden, dass Hersteller elektronischer Geräte die Reparatur absichtlich erschweren. Auch in Oer-Erkenschwick kennt man die Tricks der Hersteller gut.
Geräte selbst reparieren, wie hier auf unserem Symbolfoto – das erschweren die Hersteller den Kunden auch in Oer-Erkenschwick immer häufiger. Sie wollen, dass sie Neuware kaufen. © picture alliance / dpa

Für Verbraucher auch in Oer-Erkenschwick ist es ein Ärgernis, und es hat Methode: Gleich, ob es um Autos geht, um Mixer, E-Bikes, Handys – immer häufiger tun Hersteller alles, damit man sie auf keinen Fall umstandslos reparieren kann, sondern sie im Zweifel lieber neu kauft. In den USA, so berichtet die „Welt am Sonntag“, soll ein solches Verhalten der Industrie jetzt immerhin per Gesetz unterbunden werden. Aber selbst wer sich bei uns mit der Faust in der Tasche für einen Neukauf entscheidet, der muss zusätzlich noch mit langen Wartezeiten etwa bei Küchengeräten rechnen, weil auf dem Weltmarkt die benötigten Halbleiter knapp sind.

Jürgen Plaga aus Oer-Erkenschwick kennt das Problem

Jürgen Plaga aus Oer-Erkenchwick kennt das Problem. Der 66-jährige frühere Vertriebsmitarbeiter eines großen Mobilfunkanbieters hat 2017 zusammen mit Kollegen des Oer-Erkenschwicker Ortsvereins des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) das Repair-Cafe in den Vereinsräumlichkeiten an der Lindenstraße 4 ins Leben gerufen. Und das Angebot schlug ein wie eine Bombe. „Leider mussten wir das Cafe coronabedingt wieder schließen und werden wohl frühestens erst wieder im nächsten Jahr durchstarten“, sagt Plaga, der als Funkamateur über gute elektrische und elektronische Kenntnisse verfügt.

Viele moderne Geräte kann man gar nicht mehr öffnen

„Man kann oft nur mit dem Kopf schütteln“, sagt Plaga. Und dann berichtet er von Sollbruchstellen in Elektrogeräten und davon, dass er den Eindruck hat, die Geräte sollten gerade mal die zweijährige Gewährleistung überleben und dann kaputt gehen. „Das nächste Problem ist, dass man viele der modernen Apparate gar nicht mehr öffnen kann. Die sind oft verklebt oder man braucht Spezialwerkzeug, um sie aufzukriegen. Von den fehlenden Schaltplänen will ich erst gar nicht reden. Das alles macht es schwer, zu helfen“, sagt Jürgen Plaga.

Preise für Ersatzteile werden oft künstlich hochgehalten

Oft werden auch die Preise für Ersatzteile künstlich hochgehalten. Der Bericht der „Welt am Sonntag“ nennt die Firma Vorwerk. Ersatzteile, etwa für die Tropf-Verriegelung des Koch-Automaten „Thermomix“, seien eigentlich Cent-Artikel, wird ein Experte zitiert. Aber sie seien auf dem freien Markt nicht zu bekommen. Und für Reparaturen berechne Vorwerk Pauschalpreise – unabhängig vom tatsächlichen Aufwand. „Ja, Ersatzteile sind oft sehr teuer“, weiß auch der Hobby-Reparateur aus Oer-Erkenschwick. „Da muss man sich schon ein wenig mit auskennen. Oft kann man nämlich auch Teile anderer Hersteller nehmen, die deutlich weniger kosten“, berichtet Plaga.

Oft auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Ein anderes im Internet beschriebenes Beispiel: Da möchte jemand eine Spülmaschine reparieren. Er hat sie komplett zerlegt und das Problem auch gefunden: Die beiden Teile, die den Wasserfluss steuern, waren gebrochen. Die folgende Netzrecherche ergab: Sie sollten jeweils 65 Euro kosten, zusammen also 130. Eine neue Maschine des betreffenden Typs hätte 300 Euro gekostet.

Fraglich, ob sich das lohnt. Grundsätzlich, so Jürgen Plaga, seien ganz billige Geräte quasi aufs Wegwerfen programmiert. In der Spitzenklasse kann das besser sein. Kann…

Auch Handy-Reparaturen sind oft ein Problem

Auch das Thema Handy-Reparatur ist problematisch. Apple zum Beispiel erschwere „seit einigen Generationen die Reparatur durch Dritte, wo immer es geht“, wird ein Experte im „Welt am Sonntag“-Artikel zitiert. Jürgen Plaga kann das nur bestätigen. „Mobiltelefone sind technisch eigentlich für eine Haltbarkeit von fünf bis zehn Jahren konzipiert. Das Problem bei diesen Geräten ist, dass der Akku oft nicht so lange hält. Oder besser, die Leistungsfähigkeit des Akkus lässt nach zwei Jahren spürbar nach. Dann wird schnell neu gekauft. Und das ist nicht nachhaltig.“

Forderung nach Recht auf Reparatur

  • In Deutschland werden jährlich und pro Person 22,8 kg Elektrogeräte weggeworfen. So steht es auf der Internetseite des Seniorenbeirates Waltrop. Gründe dafür seien mangelnde Gerätequalität und fehlende Reparaturmöglichkeiten.
  • Dabei wollten viele Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Geräte länger nutzen und reparieren – auf EU-Ebene 77 %. „Die rund 650 Reparatur-Initiativen in Deutschland reparieren kaputte Elektrogeräte und schonen so Ressourcen, schützen das Klima und geben den Verbraucherinnen und Verbrauchern wertvolles Wissen und Handlungsmacht zurück“, heißt es auf der Seite des Beirates. Verwiesen wird zudem auf die politische Forderung nach einem „Recht auf Reparatur“, die schon aus dem Jahr 2018 stammt.

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