Strenge Regeln

Ausgebüxter Hund sorgt für Trubel

Nachdem Hund „Erwin“ entwischt und im Tierheim abgegeben worden war, hatte Halterin Ute Weichler Probleme, ihn wieder nach Hause zu holen. Tierklinik und Tierheim haben strikte Vorgaben.
Endlich wieder vereint: Ute Weichler und ihr Mischlingshund „Erwin“. © Philippos Tsolakidis

Wenn der eigene Hund entwischt, kann es schwierig werden, ihn wieder zurückzubekommen – selbst dann, wenn er gefunden wird. Diese Erfahrung hat Ute Weichler machen müssen. Doch der Reihe nach: Die Recklinghäuserin wollte vor Kurzem eine Runde joggen gehen. Ihr fünf Monate junger Mischlingshund „Erwin“ rannte ihr hinterher und entwischte durch eine kleine Lücke im Gartenzaun.

„Glücklicherweise wurde er von einer Passantin schnell gefunden. Sie hat ihn vorübergehend in die Tierklinik Menzel/Anicura gebracht. Ich dachte, ich fahre hin, zahle einen Obolus und nehme Erwin wieder mit nach Hause“, erzählt Ute Weichler. Doch das erhoffte Happy End blieb aus.

Tierklinik darf Fundtiere nicht herausgeben

„In der Tierklinik erklärte man mir, dass man mir meinen Hund nicht aushändigen könne und dass er dem Tierheim übergeben wird“, berichtet die 54-jährige Recklinghäuserin. „Wir haben als Tierklinik die Pflicht, Fundtiere aufzunehmen und zu versorgen“, erklärt eine Mitarbeiterin der Tierklinik Anicura. „Wir dürfen sie aber nicht an Bürger, die sich als Halter ausgeben, einfach so übergeben.“ Weil die Tierklinik nur „verwahrende Stelle“ ist, wird die Entscheidung über die Herausgabe des Tieres vom Ordnungsamt getroffen, heißt es in einem städtischen Schreiben, das Hundehaltern zugeht, wenn eben so etwas passiert.

Die Hundehalterin gab sich geschlagen, fuhr ohne Hund nach Hause und tags darauf zum Tierheim. Ute Weichler: „Ich zahlte eine Gebühr von 117 Euro an die Tierklinik, legte den Mitarbeitern die Steuermarke vor, den Nachweis, dass der Hund angemeldet ist, und zeigte ihnen etliche Fotos von mir und Erwin, die ich auf dem Handy hatte. Doch man weigerte sich noch immer, mir meinen Hund zu geben.“

Kaufvertrag und Impfpass fehlten

Das Team halte sich an die Vorgaben des Ordnungsamts. Ohne Kaufvertrag und Impfpass sei es schwierig zu beweisen, dass man tatsächlich der Halter des Tieres ist. „Ein Kaufvertrag liegt mir nicht vor, weil ich den Hund einer Bekannten abgenommen habe, und den Impfpass habe ich an diesem Abend leider nicht gefunden“, erklärt die Recklinghäuserin.

Die fehlenden Unterlagen wurden ihr zum Verhängnis. „Irgendwann bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden.“ Schließlich zeigte sich eine Mitarbeiterin des Tierheims einsichtig und kontaktierte den Bereitschaftsdienst des Ordnungsamtes. Dort gab es endlich grünes Licht. „Erwin“ durfte mit nach Hause. Ute Weichler: „Wenn es diese Regelungen gibt, kann ich daran nichts ändern. Ich würde mir wünschen, dass es eine Art Not-Telefon gäbe für solche Situationen, damit das Verfahren beschleunigt werden könnte – zum Wohle des Tieres.“

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