Amtsgericht Recklinghausen

Dachstuhl angezündet: Gefängnis und Therapie

Ein Mann aus Recklinghausen legt auf einem Dachboden Feuer. Der gesamte Dachstuhl wird zerstört. Dass niemand verletzt wird, gleicht einem Wunder. Jetzt ist der 21-Jährige verurteilt worden.
Das Amtsgericht Recklinghausen: Hier wurde über den verheerenden Dachstuhlbrand verhandelt. © Jörn Hartwich

Es war nicht das erste Mal, dass der Angeklagte Feuer gelegt hat. Doch diesmal waren die Folgen verheerend. In der Nacht auf den 24. Dezember 2020 brannte der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses an der Dortmunder Straße 250 in Recklinghausen vollständig ab. Dafür ist der 21-Jährige nun verurteilt worden.

Das Amtsgericht in Recklinghausen hat zwei Jahre und neun Monate Haft verhängt.

Den größten Teil der Strafe wird der Angeklagte aber nicht im Gefängnis, sondern in einer Therapieeinrichtung verbringen. Dort soll er sein Alkohol- und Drogenproblem in den Griff bekommen.

Feuer mit Kerze gelegt

Am Abend vor der Tat hatte der 21-Jährige mit Freunden gefeiert. Morgens gegen vier Uhr verließ er die Wohnung und schlich auf den Dachboden. Dort gab es eine Stelle, wohin er sich schon früher mit einem Bekannten zurückgezogen hatte – zum Marihuana-Konsum.

Dort soll sogar Teppichboden gelegen haben. Und es gab Kerzen. Damit hat der Angeklagte Feuer gelegt. Anschließend war er in die Wohnung seines Bekannten zurückgekehrt – so, als wenn nichts gewesen wäre. Der Polizei soll der 21-Jährige später gesagt haben: „Ich bin richtig erschrocken, was ich manchmal mache.“

Es ist einer Nachbarin zu verdanken, dass niemand verletzt wurde. Sie hatte das Feuer gerade noch rechtzeitig entdeckt und alle Bewohner geweckt.

Hintergründe unklar

Der Angeklagte hatte die Tat monatelang geleugnet. Erst im Prozess legte er ein Geständnis ab. Die Hintergründe blieben trotzdem unklar. Verteidiger Lars Volkenborn: „Was für ihn den Reiz des Feuers ausmacht, ist nicht ganz klar.“ Auch der Recklinghäuser selbst konnte darauf keine Antwort geben. Auf die Frage des Richters, was er dabei fühle, antwortete er nur: „Eigentlich nichts.“

Der Angeklagte hatte bereits früher Brände gelegt. Einmal steckte er eine Mülltonne an, einmal wurde ein Auto abgefackelt.

Bei diesem Dachstuhlbrand, bei dem ein Schaden im sechsstelligen Bereich entstanden sein soll, waren erstmals auch Menschen in Gefahr. „Die Taten haben sich massiv gesteigert“, hieß es im Urteil. „Man fragt sich wirklich, was als nächstes kommt.“

„Sorge, dass es wieder losgeht“

Alkohol und Marihuana haben offenbar bei allen Taten eine Rolle gespielt. Ein Gutachter hatte dem 21-Jährigen im Vorfeld des Prozesses eine Abhängigkeit attestiert und vor weiteren, schwerwiegenden Taten gewarnt. Aus diesem Grund haben die Richter am Ende nicht nur die Gefängnisstrafe verhängt, sondern auch die Unterbringung in einer geschlossenen Therapieeinrichtung angeordnet. Der Richter: „Wir haben große Sorge, dass es sofort wieder losgeht, wenn sie wieder ein Glas trinken.“

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