Ernteverzögerungen

Die Krux mit den Regengüssen

Die Regengüsse tun Natur und Landwirten gut, aber zu nass darf es auch nicht werden. Sonst beginnen Feugmanns Kartoffeln zu faulen und Göttkens Getreide wird nicht rechtzeitig trocken.
Der Beginn der Kartoffelernte verzögert sich in diesem Jahr bei Landwirt Heinz Feugmann in Speckhorn. Das Frühjahr war zu kalt. © Jörg Gutzeit

Über Speckhorn schüttet es wie aus Eimern. Mehrere Liter pro Quadratmeter prasseln über Dagmar und Heinz Feugmanns Haus, Hof und Felder nieder. Dann – so plötzlich wie gekommen – klart der Himmel wieder auf. Der Landwirt selbst steht in Gummistiefeln auf seinem Kartoffelfeld, packt eine Staude und zieht sie vorsichtig aus der Erde. „Das sieht doch schon ganz ordentlich aus“, sagt er in Anbetracht des Bündels mit etwa zehn faustgroßen Kartoffeln in seiner Hand. „Es wird genug Kartoffeln geben in diesem Jahr.“

Nur etwas Zeit bräuchten sie noch. „Ich bin schon ganz nervös, aber gute drei Wochen werde ich mich wohl noch gedulden müssen. Wir hängen vier Wochen hinterher mit der Ernte, weil das Frühjahr so kalt war.“

Immerhin: Auf die Kälte folgte Regen und der hat den Kartoffeln gutgetan. Auf Feugmanns Kartoffelfeldern sind die sandigen Böden gut durchfeuchtet, man könnte auch sagen matschig. Das Wasser sei in wenigen Stunden versickert.

Pflanzenschutzmittel gegen Pilzbefall

Zu viel dürfe es auch nicht regnen. Dann breite sich ein Pilz aus und lasse die Kartoffeln allmählich faulen. „Hier auf dem sechs Hektar großen Kartoffelfeld sind etwa 1500 Quadratmeter betroffen“, sagt Heinz Feugmann und deutet auf die braun gefärbten Blätter. Diese Partie werde er mit einem Pflanzenschutzmittel behandeln müssen, sonst sei die Ernte futsch.

Friedrich Steinmann, Landwirt aus Kirchhellen und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Recklinghausen: „Das Wetter ist Bestandteil unserer Lebenseinstellung. Egal, ob ein Jahr zu trocken ist, zu nass oder zu stürmisch, wir haben gelernt, damit zu leben. Wir können nicht wie die Industrie kurzfristig umplanen.“ Nach drei trockenen Jahren sehe die Lage in diesem Jahr deutlich besser aus. „Die meisten Felder haben ausreichend Wasser bekommen. Wir haben gute Bestände bei Kartoffeln, Mais und Getreide. Auch das Grünland bringt gute Erträge“, so Steinmann.

Landwirt Wilhelm Göttken hofft auf sonnige Tage, bevor es ans Dreschen der Triticale, einer Kreuzung zwischen Roggen und Weizen, geht. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Auch der Suderwicher Landwirt Wilhelm Göttken will den Regen keinesfalls schlecht reden, aber nun hofft er doch auf ein paar sonnige Tage. Der 44-Jährige drischt einige Ähren der Triticale – einer Kreuzung aus Weizen und Roggen – mit einem Handmähdrescher und wirft die Körner in ein Messgerät. Es piepst und das Display zeigt 21,5 Prozent an. „So viel Feuchtigkeit steckt in den Körnern. Wenn ich mit dem Mähdrescher übers Feld fahre, werden es noch mal zwei Prozent mehr. Das ist zu viel. Es dürfen maximal 15 Prozent Feuchtigkeit sein“, erklärt der Junior-Landwirt.

Die Natur tut ihm gerade keinen Gefallen. Auf einer kreisrunden Fläche auf dem zwei Hektar großen Feld entlang der Henrichenburger Straße liegt die Triticale völlig platt auf der Erde. „Letzte Woche sind hier 60 Liter Regen pro Quadratmeter heruntergekommen. Dagegen können wir nichts machen.“

Mit diesem Mähdrescher ist Landwirt Wilhelm Göttken demnächst auf den Getreidefeldern zu sehen. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Wenn die Sonne nicht hilft, muss er auf seinen maschinellen Getreidetrockner zurückgreifen, was bedeutet: höherer Aufwand, höhere Kosten. „Viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Die Triticale ist so reif, dass sie fast schon auswächst. Das heißt, sie wird grün und bildet neue Keime. Wenn das passiert, ist die Qualität nicht mehr so gut. Spätestens Donnerstag wollen wir mit dem Dreschen starten“, so Göttken.

Klimaresistentere Sorten seien laut Friedrich Steinmann nur eine Behelfslösung. „Auch die kommen nicht ewig lange ohne Wasser aus.“ Auf Feugmanns und Göttkens Böden würden Kartoffeln, Triticale, Raps, Weizen, Roggen und Mais bisher gut wachsen. Auch in einem weiteren Punkt sind sich die drei Landwirte einig: Feugmann: „Uns und unserer Ernte geht es gut. Was im Rheinland passiert ist, ist eine Katastrophe. Da können wir uns überhaupt nicht beschweren.“

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