Ist die Klassenfahrt ins Skigebiet noch zeitgemäß und bezahlbar? Das sagen Recklinghäuser Schulen

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Im Vordergrund der Montage ist Michael Rembiak, Schulleiter des Gymnasiums Petrinum, zu sehen, im Hintergrund eine Schneelandschaft mit Skilift.
Bereits seit 20 Jahren biete das Gymnasium Petrinum eine Skifahrt an, erzählt Schulleiter Michael Rembiak. © dpa/Nowaczyk Montage: Spieß
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Schmale Pisten in grünen Landschaften, die schlechte Ökobilanz von Schneekanonen und der Ruf, es sei nur ein Sport für Reiche: Skifahren kommt in der aktuellen Debatte nicht gut weg. Und doch sind Klassenfahrten, bei denen Schülerinnen und Schüler den Wintersport erlernen, an vielen Recklinghäuser Schulen Programm. Wie verträgt sich das mit dem pädagogischen Selbstverständnis?

In wenigen Tagen fahren die achten Klassen des Gymnasiums Petrinum nach Steinhaus in Südtirol. „Das ist eine reguläre Pflichtfahrt“, erklärt Schulleiter Michael Rembiak. Diese sei seit 20 Jahren Tradition – „Das wirft man nicht einfach um.“ Der Schule sei die soziale Komponente der Fahrt besonders wichtig.

Doch, so lenkt der Schulleiter ein, müsse man die kritischen Punkte hinterfragen. Und das werde getan. „Wir nehmen die veränderten Rahmenbedingungen wahr und sprechen über finanzielle und ökologische Gesichtspunkte.“ Sollte die Fahrt nicht mehr vertretbar sein, werde die Schule Alternativen suchen.

Skifahrt am Petrinum kostet ca. 500 Euro

Auch die aktuelle Skifahrt sei wegen der hohen Kosten in Gremien und der Schulkonferenz diskutiert worden. „Wir haben uns dazu entschieden, daran festzuhalten.“

Pro Schüler gelte eine gedeckelte Obergrenze von 600 Euro, aktuell liege man zwischen 500 und 550 Euro. Sollte es Familien nicht möglich sein, das zu finanzieren, bestehe die Möglichkeit, staatliche Unterstützung zu erhalten, so Michael Rembiak. Auch der Förderverein könne in manchen Fällen unter die Arme greifen. „Es darf nicht sein, dass Schüler, die sowieso benachteiligt sind, nicht teilhaben können“, betont er.

Christian Passerah, Schulleiter am Marie-Curie-Gymnasium, lacht und schaut zum linken Bildrand.
„Die Skifahrt in diesem kleinen Rahmen ist etwas Besonderes. Und das sei den Schülern gegönnt“, sagt Christian Passerah, Schulleiter am Marie-Curie-Gymnasium. © Gutzeit (A)

Vom Marie-Curie-Gymnasium ist aktuell ein Sportkurs der Oberstufe in Kärnten in Österreich unterwegs. Dabei handele es sich, so Schulleiter Christian Passerah, um ein freiwilliges Angebot.

Angesprochen auf die klimaschädlichen Aspekte von Skifahrten sagt er: „Die meisten unserer anderen Fahrten sind sehr umweltverträglich.“ Eine Tour gehe beispielsweise mit dem Fahrrad ins nahe gelegene Heiden. „Die Skifahrt in diesem kleinen Rahmen ist etwas Besonderes. Und das sei den Schülern gegönnt!“

Skifahrt am Marie-Curie-Gymnasium ist freiwilliges Angebot

Passerah stimmt seinem Vorredner zu: „Ich verstehe die Debatte!“ So könne es auch an seiner Schule irgendwann dazu kommen, dass man die Fahrt nicht mehr als angemessen bewerte. „Aber man muss die Kirche im Dorf lassen!“ Eine aktuelle Diskussion könne sich nicht unmittelbar auf die Planung auswirken.

Am Marie-Curie-Gymnasium darf die Reise nicht mehr als 550 Euro kosten. Da es sich um ein freiwilliges Angebot handele, sei hier, im Gegensatz zu verpflichtenden Fahrten, eine finanzielle Unterstützung eher unüblich. „Aber schaut man sich die gesamte Schulzeit an, sind wir in der Summe relativ günstig unterwegs.“

Skifahrt der Gesamtschule Suderwich startet Anfang Februar

Wie auch an den beiden anderen Schulen musste die optionale Skifahrt an der Gesamtschule Suderwich wegen Corona zwei Jahre pausieren. „Anfang Februar geht es wieder los“, sagt Schulleiterin Claudia Slowick. Dann fahren 42 Schüler der Klassen sechs bis acht nach Breitenbach im Zillertal.

Obwohl man sich der Nachteile bewusst sei, konzentriere man sich auf die positiven Aspekte des Sports. Während der Pandemie haben sich viele Kinder eingeigelt und wenig bewegt, so Slowick. Auch im Bereich sozialer Kompetenzen gebe es Defizite.

Schulleiterin Claudia Slowick sitzt an einem Computer und lächelt in die Kamera.
Nach zwei Jahren Corona-Pause bietet die Gesamtschule Suderwich wieder eine Skifahrt nach Österreich an, berichtet Schulleiterin Claudia Slowick. © Brockhoff (A)

Zwar habe man mit dem Gedanken gespielt, die Fahrt aus Ressourcen- und Kostengründen ins Sauerland zu verlegen, „aber da ist es sehr unsicher, ob die Schüler überhaupt Skifahren können.“ Die Schulleiterin betont, dass man auch an ihrer Schule aktuelle Entwicklungen im Blick behalte.

An der Gesamtschule kostet die Fahrt pro Kopf gut 500 Euro. Das liege vor allem an massiv gestiegenen Transportkosten und Leihgebühren für die Ausrüstung. Dennoch wolle man allen Schülern die Möglichkeit bieten, mitzufahren: „Bisher haben wir immer Wege der finanziellen Unterstützung gefunden.“