Deportiert und ermordet: Neue Stolpersteine erinnern an Familie Aron

Eine Gruppe von Menschen steht vor neuen Stolpersteinen auf dem Bürgersteig an der Bochumer Straße in Recklinghausen.
Gemeinsam mit den Angehörigen der Familie Aron enthüllte Bürgermeister Christoph Tesche vor dem Haus an der Bochumer Straße 73 vier Stolpersteine, die an Kurt, Minna und Gerd Aron sowie an Clara Saalberg erinnern. Mitgestaltet wurde die Feierstunde durch Schülerinnen und Schüler des THG. © Stadt RE
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Gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Tesche enthüllten Angehörige die vier Messingsteine vor dem Haus mit der Nummer 73. Für diesen Akt waren sie eigens aus London und Jerusalem nach Recklinghausen gereist. Es sind Nachfahren der jüdischen Familie Aron, die sich an der Bochumer Straße eingefunden haben. Die Familie betrieb einen Tabak- und Haushaltswarenhandel.

Die Familie Aron wohnte in dem Haus an der Bochumer Straße, bis sie in eines von fünf sogenannten Judenhäusern an der Paulusstraße umgesiedelt wurden. Von dort aus wurden Sie 1942 nach Riga verschleppt und lebten dort in einem Ghetto. Kurt Aron wurde anschließend 1944 im Konzentrationslager Kaiserwald in Riga ermordet. Clara Saalberg und Gerd Aron fanden ihren Tod 1944 und 1943 in Ausschwitz. Die ausführlichere Biografie der Familie ist im Online-Gedenkbuch der Stadt zu finden.

Georg Möllers, Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde, stellte in einem Vortrag die Biografie von Minna Aron vor. Schülerinnen und Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) hielten bei der Enthüllung der Stolpersteine Bilder der Opfer in den Händen und unterstützten Georg Möllers‘ Rede, indem sie Textstellen aus dem Nachlass von Minna Aron vortrugen, die ehemals Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde war.

Anschließend hielt die Angehörige Diana Aron eine Rede, in der sie Minna Aron, die Tante ihres bereits verstorbenen Mannes Rolf Aron, besonders schätzt: „Für unsere Familie ist es sehr bedeutsam, dass diese Stolpersteine nun vor ihrem Haus verlegt wurden und wir die Möglichkeit haben, einer so erstaunlichen, selbstlosen Frau zu gedenken, die unvorstellbare Verluste erlitt, aber der Gesellschaft weiterhin so viel gab“. Hintergrund ist, dass Minna Aron die Shoah überlebte und nach Deutschland und Recklinghausen zurückkehrte. Sie engagierte sich beim Wiederaufbau der Jüdischen Kultusgemeinde, zu deren Vorsitzende sie von 1958 bis 1978 wurde. Zudem war sie Mitbegründerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Minna Aron hat als Einzige überlebt

An der Veranstaltung nahmen neben Vertretern des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage auch Dr. Mark Gutkin, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde, Kantor Isaac Tourgman, die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Gerda E.H. Koch, THG-Schulleiter Jörg Schürmann, Käthe-Kollwitz-Schulleiter Michael Neckenig und Vertreter des THG-Kollegiums und der Käthe-Kollwitz-Schule teil. Die Feierstunde wurde von Schülerinnen und Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasium und der Käthe-Kollwitz-Schule mitgestaltet.

Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist

Stolpersteine wurden 1996 durch den Künstler Gunter Demnig initiiert. Die kleinen Gedenktafeln aus Messing werden vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer platziert, auf ihnen steht „Hier wohnte…“, gefolgt vom Namen des Opfers, Beruf und Daten zu Leben und Sterben der Person.

Der Künstler orientierte sich mit dem Projekt an dem Talmud, dem jüdischen Schriftwerk zur Auseinandersetzung mit der Lehre des Judentums, in dem steht: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“.