Jetzt geht’s ans Eselgehege

Seit zehn Jahren „möbelt“ der Förderverein den Tierpark auf

Er sah im wahrsten Sinne des Wortes alt aus: der Tierpark in Recklinghausen. Der Förderverein unterstützt seit 2011 die Modernisierung. Zum Geburtstag startet ein elefantengroßes Projekt.
Da spitzt der Esel die Ohren: Der Förderverein des Tierparks will den Publikumslieblingen ein neues Gehege finanzieren. © Jörg Gutzeit

Das Tierparkfest am zweiten Septemberwochenende lockt Menschenmassen in den Stadtgarten. Und es wäre die ideale Gelegenheit für den Förderverein gewesen, um für sein nächstes Projekt mit den Spendendosen zu klappern. Doch wegen der Pandemie musste der Verein das Fest zum zweiten Mal absagen. Geklappert wird dennoch, denn im zehnten Jahr seines Bestehens will der Verein ein besonderes Geburtstagsprojekt anschieben: ein neues Eselgehege.

Dass die Mitglieder dafür elefantengroßen Ehrgeiz an den Tag legen, ist dem Vorstand um den Vorsitzenden Daniel Kroll durchaus bewusst. Denn damit die Esel eine neue Bleibe bekommen, die nicht nur ihren Ansprüchen, sondern auch denen der Mitarbeiter und Besucher genügen, sind insgesamt rund 300.000 Euro nötig. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, damit die Stadt den Umbau möglichst schnell beginnen und dann auch zügig vollenden kann“, so Kroll.

In zehn Jahren hat der Förderverein im Tierpark viele Neu- und Umbauten unterstützt. Da waren zum Beispiel 16.000 Euro für die Terrarienwand, allein in diesem Jahr 3500 Euro für ein Zuhause für Nerzdame Wilma und 3400 Euro für Bienen. 20.000 der erforderlichen 180.000 Euro hatte der Förderverein zum Fuchsgehege dazugetan. Durch Tierpatenschaften, Mitgliedsbeiträge und Einzelspenden hat der Verein in zehn Jahren rund 65.000 Euro eingenommen. „Mit der Refinanzierung durch die Stadt kommen wir auf 115.000 Euro“, berichtet Daniel Kroll.

Anteilsscheine für das neue Domizil erwerben

Damit die Esel nicht mehr zu lange auf ihr neues Domizil warten müssen, will der Verein den Boden unter deren Hufen „verkaufen“. Ab 50 Euro gibt es einen Quadratmeter, die Spender bekommen einen Anteilsschein und werden auf einer Tafel verewigt. „Die Stadt hat zugesagt und unterstützt unsere Aktion“, betont Kroll. Dessen jüngster Sohn gab übrigens einst den Anstoß, dass Kroll den Förderverein überhaupt gründete. „Ich war mit Lukas oft im Tierpark. Und eines Tages fragte er mich: Papa, warum sieht das hier alles so alt aus?“, blickt er zurück. Das Argument, dass die Stadt kein Geld habe, leuchtete dem Kind nicht ein. So fragte Kroll seinen „alten Kumpel“ Stefan Klinger, der den Tierpark leitet, wie Hilfe aussehen könnte.

Der Vorstand des Fördervereins für den Tierpark (v.l.): Vorsitzender Daniel Kroll, dessen Stellvertreter Christian Stöckl, Schatzmeisterin Miriam Lingk und Schriftführer Tim Moskon. © Silvia Seimetz © Silvia Seimetz

„Zur Gründungsversammlung nach dem Familienfest kamen 20 Leute“, berichtet der zweite Vorsitzende Christian Stöckl. Auch er ist mit seinen Kindern oft im Zoo. Eine Pfauenfeder, die die Tochter vor zehn Jahren geschenkt bekommen hat, ziere bis heute das Kinderzimmer. Dass der Tierpark schon „aufgemöbelt“ wurde, schreibt sich der Förderverein durchaus auf die Fahnen. „Wir können mitgestalten und etwas bewirken“, sagt Kroll.

Darum engagiert sich auch Schriftführer Tim Moskon aus Marl: „Unser Zoo im Volkspark wurde geschlossen, da sind nur noch die leeren Gehege“, berichtet er. Für Familien sei der Tierpark ein schönes Ausflugsziel, sogar mit freiem Eintritt. „Wir tragen gern dazu bei, das zu erhalten.“ Bei jedem Besuch im Zoo geht er zu den Steppenfüchsen. Foxi, der leider kurz nach dem Umzug ins neue Gehege starb, war sein „Patenkind“. „Der Förderverein hat schnell dafür gesorgt, dass Findus einen neuen Partner bekommt.“ Miriam Lingk ist die einzige im Vorstand, die Tieren zurückhaltend begegnet. „Ich habe etwas Angst vor ihnen“, gesteht sie. Ihr Talent für Zahlen bringt sie als Schatzmeisterin dennoch gern ein: „Es ist eine gute Sache.“

Und Organisationstalent ist im Verein immer gefragt. Schon bald, so hofft Kroll, könnten die Mitglieder nach der Corona-Zwangspause wieder mit anpacken: Die Blühwiese hacken, im Vogelhaus Pflanzen pflegen: „Ich vermisse unsere Einsatztage“, gesteht Daniel Kroll.

Nächster Termin ist der Patentag. Ab 20 Euro für ein Huhn bis 75 Euro für einen Esel kostet die Patenschaft pro Jahr – wobei je nach Beliebtheit ein Tier mehrere Tanten und Onkel hat. Am 30. Oktober können die Paten ihre Schützlinge besuchen. Vielleicht kauft der eine oder andere ja auch schon ein Stück Eselsgehege. Wenn das, wie einst das Fuchsquartier, bei einem Tierparkfest eröffnet werden könnte, wäre das ein richtiges Geburtstagsgeschenk für den Verein.

Infos über den Verein, die Projekte und Patenschaften gibt es auf www.foerderverein-tierpark.de

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