Wandertipp

Wo der Steinkauz auf den Hohlzahn trifft

Der Übergang zwischen Vestischem Höhenrücken und Haard lädt zu vielfältigen Freizeitaktivitäten ein. Auf ausgedehnten Spaziergängen können Wanderer die Besonderheiten der Landschaft erkunden.
Im Abendlicht noch mal so schön: die bäuerliche Landschaft im Grenzgebiet zwischen Recklinghausen und Oer-Erkenschwick. © Ulrich Nickel

Diese befindet sich zum Teil auf Oer-Erkenschwicker Stadtgebiet, ist aber auch von Recklinghausen aus gut zu erreichen. Wir starten an der Bushaltestelle der Linie 231, Haltestelle Devensstraße, überqueren den Autobahnzubringer und biegen in die gleichnamige Straße ein. Johanniskraut, Wilde Möhre, Zaunwinde, Wasserdost und Giftlattich buhlen um die Gunst des Admirals, einem Wanderfalter aus dem Mittelmeerraum, der zu unseren häufigsten Schmetterlingen zählt. Glücklicherweise brauchen wir nicht lange, bis wir in die Uferstraße schräg links einbiegen und der Autolärm sich verflüchtigt.

Kann bis zu zwei Meter hoch aufschießen: der Wasserdost. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Schilfflächen künden vom feuchten Untergrund

Ackerkratzdistel, Kornblume, Hundspetersilie und Sonnenblume begleiten uns auf unserer Strecke, die uns an der Silvertbachquelle vorbeiführt, einem seit etwa 30 Jahren ausgewiesenen Naturschutzgebiet. Es liegt inmitten der intensiven Landwirtschaft, die das naturnahe Gefüge in dem geschützten Bereich so massiv beeinflusst, dass kaum noch außergewöhnliche Pflanzen zu finden sind. Schilfflächen künden von dem zum Teil noch feuchten Untergrund. Wir biegen dann schräg rechts ab (Markenweg), gehen sofort wieder links, durchschreiten eine „halbseitige Allee“, nehmen die nächste Abbiegung nach links (Uferweg) und halten uns rechts (Oberdorfweg). In diesem Bereich erleben wir das Alte „Oer“, das bäuerlich geprägt ist. Wir gelangen auf die Recklinghäuser Straße, halten uns rechts und biegen vor der Brücke links ab. Diese Steigung führt uns auf die ehemalige Zechenbahn, auf der bis 1962 die Kohlen der Zeche Ewald-Fortsetzung zum Bahnhof Marl-Sinsen transportiert wurden.

Hingucker am Wegesrand: die Sonnenblume. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Silvertbach speist sich aus mehreren Quellen

Die Trasse wurde nach der Stilllegung zu einem Rad- und Wanderweg zurückgebaut. Heute ist dieser Teil des historischen und ökologisch ausgerichteten Landschaftspfades, auf dem Wanderer über zahlreiche Besonderheiten informiert werden. So erfahren Interessierte, dass auch hier eine der Quellen des Silvertbaches angesiedelt ist. Der sogenannte Eyspring stammt aus dem Altniederdeutschen und leitet sich aus dem lateinischen Wort „aqua“ für feuchter Grund oder Feuchtwiese ab. Spring geht auf das mittelhochdeutsche „spring“ für entspringen zurück und bezeichnet eine Quelle. Der Silvertbach, der sich aus mehreren Quellen speist, geht in den Sickingmühlenbach über, der in die Lippe mündet.

Lehrpfad bietet Infos über die einheimische Flora

Aufmerksame Beobachter entdecken eine Steinkauzröhre für die gefährdete Eule. Wir passieren die Biostation der Freunde der ehemaligen Zechenbahn, die sich für die Pflege des Landschaftspfades einsetzen und für den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten engagieren. Linker Hand öffnet sich die Bewaldung und legt den Blick auf eine Streuobstwiese frei. Installierte Sitzgelegenheiten laden zum Beobachten ein. Entlang des Lehrpfades erfahren wir Hintergründe zu den Bäumen der einheimischen Flora wie Eberesche, Haselnuss, Feldahorn und Flatterulme.

Laden zum Verschnaufen und Beobachten ein: Sitzgelegenheiten an der alten Zechenbahn. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Eine wahre Fundgrube für Baumkundler

Für Dendrologen (Baumkundler) ist dieses Fleckchen eine wahre Fundgrube, zumal auch alte „Baumveteranen“ unseren Weg kreuzen. Am Ende des Lehrpfades halten wir uns links, biegen dann rechts ab, lassen „Theos Farm“ links liegen, passieren ein kleines Waldstück, hinter dem wir links einbiegen (Auf dem Stenacker). Am Ende des Weges orientieren wir uns rechts, dann wieder links und laufen entlang der Eisenbahn. Nachdem wir die L 511 unterquert haben, zeigt sich der Wirbeldost, der bei uns zu den seltenen Pflanzen gehört, begleitet von Kleinblütigem Knopfkraut und Hohlzahn. Wir folgen dem Lauf der kleinen Straße und erreichen nach einigen Minuten den Ausgangspunkt.

Der Abend in Marl

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