Überdosis Oxycodon: 16-Jähriger aus Bottrop stirbt qualvollen Tod

Gerichtsreporter
Verteidiger Irfan Durdu wartete vergeblich auf seinen Klienten.
Verteidiger Irfan Durdu wartete bei Gericht vergeblich auf seinen Klienten.
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Es war eine Überdosis Schmerzmittel, die einem 16-Jährigen aus Bottrop das Leben gekostet hat. Die Tabletten soll ihm ein Bekannter besorgt haben. Am Montag sollte sich der 21-Jährige deshalb eigentlich vor Gericht verantworten. Doch sein Platz auf der Anklagebank blieb leer.

Es war im November letzten Jahres, als der 16-Jährige in der Bottroper Wohnung seines Bekannten aufgetaucht ist. Woher sich die beiden kannten, ist unklar. Der Schüler lebte in einer Wohngruppe, der 21-Jährige war bei seiner Tante untergekommen. Doch die war gerade im Krankenhaus.

Oxycodon im Medizinschrank

In der Wohnung soll sich ein verschlossener Medikamentenschrank befunden haben – randvoll mit schwersten Schmerzmitteln. Darunter auch Oxycodon, das zuletzt in Hamburg für Aufsehen gesorgt hatte, nachdem zwei Jugendliche bewusstlos in einem Park gefunden worden waren.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der 16-Jährige unter den Augen seines älteren Bekannten praktisch stündlich an dem Vorrat der Tante bedient hat. Auch Alkohol und Cannabis machten angeblich die Runde.

Im Hausflur kollabiert

Zweieinhalb Tage soll sich der Schüler in der Wohnung des Angeklagten aufgehalten haben. Die Rettungskräfte hatten ihn später im Hausflur gefunden. Dort war er kollabiert.

Der Angeklagte soll noch laienhaft versucht haben, den 16-Jährigen zu reanimieren. Doch auch die Ärzte konnten nicht mehr helfen. Der Schüler war zwei Tage später im Krankenhaus verstorben. Hirntod.

Anruf bei der Großmutter

Wo sich der Angeklagte zurzeit aufhält ist unklar. Verteidiger Irfan Durdu hatte sogar aus dem Gerichtssaal heraus noch einmal mit der Großmutter des 21-Jährigen Kontakt aufgenommen. Doch auch sie war ratlos. Zuletzt soll sich ihr Enkel in Bremerhaven aufgehalten haben. Der letzte Kontakt ist aber offenbar schon drei Wochen her.

Die Richter am Essener Landgericht wollen den Angeklagten nun durch die Polizei suchen und nach Essen bringen lassen.

Mischkonsum ist lebensgefährlich

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, genau gewusst zu haben, dass der Mischkonsum von großen Mengen Oxycodon und Alkohol lebensgefährlich ist – aber trotzdem nicht eingegriffen zu haben.

Die 24. Strafkammer hofft nun, den 21-Jährigen schnell zu fassen. Dann soll der Prozess fortgesetzt werden.