Persönliches

Anderen Menschen beim Prokrastinieren zusehen

Annika hat festgestellt, dass viele in ihrem sozialen Umfeld dazu übergegangen sind, wichtige Dinge so lange wie möglich vor sich herzuschieben. Da nützt die beste Motivationsrede nichts.
Die Dateien mit dem Unikrams, der dringend erledigt werden müsste, sind zwar geöffnet, aber alles andere scheint interessanter... Manche Leute sind einfach zu sehr ins Prokrastinieren vertieft. © Juan Pablo Serrano Arenas von Pexels

Auch wenn man sich in manchen Situationen nichts sehnlicher wünscht, als allein auf diesem Planeten zu sein, z.B. wenn man für ein großes Geschäft eine öffentliche Toilette aufsuchen muss oder mal wieder an einer Querdenker-Demo vorbeiläuft, sind andere Menschen für unser psychisches Wohlbefinden doch durchaus wichtig.

Schließlich sind wir soziale Wesen, die auf die Wahrnehmung und Anerkennung anderer mal mehr mal weniger stark angewiesen sind und alleine gar nicht so gut zurecht kommen. Trotzdem ist das Zusammenleben nicht immer einfach.

Umfeld hat das Prokrastinieren lieben gelernt

Besonders schwierig ist es im Moment für mich, mit anzusehen, wie alle um mich herum das Prokrastinieren für sich entdeckt zu haben scheinen und es auf ein lächerlich-professionelles Niveau erheben. Ich spreche also nicht davon, dass man mal einen Tag lang eine Aufgabe liegen und sich lieber sein Zukunfts-Ich darum kümmern lässt.

Ich rede auch nicht von einer geschobenen Klausur oder einer Hausarbeit, die erst in der Nacht vor der Abgabe fertiggestellt wird. Das sind die kleinen Dinge, die wir uns alle zu Schulden kommen lassen.

Alle Motivation bringt nichts

Ich rede von echten Aufschiebe-Künstlern, von Menschen, die sich seit Jahren davor drücken, bestimmte Dinge anzugehen und jedes Mal, wenn die Sprache darauf kommt, auf einen späteren Zeitpunkt in der Zukunft verweisen, an dem die Sache erledigt sein wird.

Von außen sieht man diese Person, die man eigentlich sehr gern hat, und fragt sich: „Warum kriegst du deinen Arsch eigentlich nicht hoch?“. Man schwingt sich geistig in ein Cheerleader-Outfit und versucht die Person mit aller Kraft wieder auf Kurs zu bringen. Vielleicht bietet man seine Unterstützung an oder versucht, einen gemeinsamen Arbeitsrhythmus auf die Beine zu stellen.

Löcher in die Luft starren, statt zu arbeiten

Man bietet im Grunde einfach alles das an, was man sich selbst in so einer Situation wünschen würde. Und wundert sich, dass trotzdem nichts passiert.

Sitzt man dann doch im Co-Working-Stil nebeneinander, sieht man die ganze Zeit, wie der Meister des Prokrastinierens auf sein Handy starrt, oder aus dem Fenster, oder auf seine Füße. Aus dem Augenwinkel merkt man, das alles gemacht wird, außer das, was es zu erledigen gilt.

Nach gut gemeinten 30 Minuten legt der Aufschieber das Handy demonstrativ zur Seite und schwenkt die weiße Fahne: „Ich kann mich echt nicht konzentrieren heute.“ Ein Moment, indem man innehalten und nicht seinem ersten Instinkt folgen sollte, die Person an den Schreibtisch zu fesseln und sie zu zwingen ihre Aufgaben zu erledigen.

Man selbst hat meist die gleichen Macken

Schließlich haben wir alle diese fiesen Dinge, die wir aufschieben oder? Wann wart Ihr zum Beispiel das letzte Mal beim Zahnarzt? Müssten die Ohren nicht auf mal wieder professionell gereinigt werden? Und was ist eigentlich mit dem Müll, der sich schon fast bis zur Decke stapelt? Ganz zu Schweigen von der Abschlussarbeit, die schon längst hätte fertig gestellt werden müssen.

Natürlich nerven einen andere Menschen und ihre Macken. Aber man selbst ist auch nicht besser. Ich zumindest nicht.

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