Persönliches

Die Veganismus-Missionarin: Ernährungskrieg am Grillrost

Ein Grillabend mit Freunden ist was Schönes. Er kann aber auch zum Debakel werden, wenn Veganer, Vegetarier und Fleischesser aneinandergeraten. Beidseitige Toleranz wäre die beste Lösung.
Darauf zu achten, dass für jeden etwas auf den Grill kommt, sollte kein Problem sein. Ganz egal ob Fleischesser, Vegetarierin oder Veganer. © pixabay.de

Ich finde es toll, wenn Menschen sich von Herzen für etwas begeistern können. Wenn sie eine Leidenschaft haben und mit leuchtenden Augen darüber sprechen. Das ist beneidenswert und wirklich eine Seltenheit. Ich mag es auch, wenn Leute für ihre Überzeugungen einstehen und nicht einfach nur wild nachplappern, was andere sagen. Wenn Leute Taten sprechen lassen.

Rücksichtnahme ist nicht das Problem

Was ich allerdings gar nicht leiden kann, ist, wenn mir jemand in meinen Lebensstil reinquatschen will. Vermutlich hatte jeder schon mal die Situation, dass man sich mit Freunden zum Grillen trifft und auf einmal eine Vegetarismus-Debatte vom Zaun bricht.

Da ich selbst viele Jahre vegetarisch gelebt habe, kann ich die Argumente nachvollziehen und nehme insofern Rücksicht, als dass ich mein Grillfleisch entweder auf einen separaten Grill lege oder Alufolie unterlege, damit der Fleischsud nicht an das Essen der Vegetarier kommt. Auch zwei Grillzangen sind kein Problem und tun mir nicht weh. Manchmal komme ich auch komplett ohne Fleisch zum Grillen und habe dann Grillkäse oder Gemüsetaschen dabei. Auch das – vollkommen in Ordnung.

Gescheiterte Treffen wegen einem Stück Käse

Wenn man sich dann aber mit Menschen trifft, die dermaßen wenig von ihrem Standpunkt abrücken, dass es so weit geht, dass sie das Treffen verlassen, weil man Grillkäse dabei hat, dann hört es bei mir mit dem Rücksicht nehmen auch auf. Auf einmal muss ich ein schlechtes Gewissen haben, weil mein komplett vegetarisches Menü Käse enthält und nicht nur das – ich werde gebeten beziehungsweise dazu angehalten, das nicht zu essen.

Und ich bin irritiert, denn ich habe schon extra versucht, Rücksicht auf die betroffenen Personen zu nehmen, indem ich kein Stück Fleisch mitgebracht habe. Aber das reicht offenbar nicht aus. Und weil ich so irritiert bin, sag ich auch nichts und sitze mit Hunger zwischen den Hardcore-Veganern, die sich geschmacklosen Tofu reinziehen.

Toleranz muss auf beiden Seiten herrschen

Doch je länger dieses „Grillen“ mit Brot und Zucchini dauert, desto wütender werde ich. Ich neige zwar auch zu Hangryness, also zum Wütend werden, wenn einem der Magen knurrt, aber mir geht es auch ums Prinzip. Wieso kann man mir auf einmal vorschreiben, was ich esse? Rücksichtnahme unbedingt. Aber nicht so weit, dass für mich nichts mehr übrig bleibt.

Ich wünsche mir ein bisschen Toleranz und Nachsicht – auf beiden Seiten. Und anderen Leuten vegetarisches Essen madig zu machen, ist gemein. Da kann ich dann leider auch keine Lanze mehr für meine veganen Freunde brechen. Ich lasse euch euer Seitan und Tofu und was weiß ich und ihr lasst mir meinen Käse. Deal oder deal?

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