Im Gespräch mit Scenario

DJ Mausio startet mit „Spread Love“ eine Anti-Hass-Kampagne

Mausio hat mittlerweile einen wichtigen Vertragsdeal in der Tasche und über zwei Millionen Streams auf Spotify. Seine Reichweite nutzt der DJ aus Herne, um sich gegen Cybermobbing einzusetzen.
DJ Mausio aus Herne hat mit seinem Song "Spread Love" eine Online-Kampage gegen Hass im Netz ins Leben gerufen. © Warner Music

Nach seinem Deal mit Warner Music ging es für Mausio (bürgerlich Claudio Mikulski) steil bergauf. Der DJ aus Herne gibt im Interview zu, dass ihn die Zeit nach der Vertragsschließung sehr viel gelehrt hat. Seine musikalische Stimme möchte er nun auch nutzen, um auf wichtige Themen, wie Hass im Netz, aufmerksam zu machen.

Dein Song „Spread Love“, den Du gemeinsam mit der Künstlerin Bibiane Z aufgenommen hast, war der Startschuss einer Kampagne gegen Hass und Mobbing im Internet. Was hat Dich bewegt einen Song zu dem Thema zu schreiben?

Die Grundidee des Songs ist entstanden, als ich Bibiane für eine Songwriting-Session vom Bahnhof abgeholt habe und wir auf dem Weg zurück verschiedene Songs gehört haben, die alle einen 80s-Vibe hatten. Ich finde es super, dass viele Künstler gerade ihre Interpretation der 80er musikalisch umsetzen. Wir waren mega inspiriert und hatten die erste rohe Version am gleichen Abend fertig.

Die Kampagne ist im Laufe des Entstehungsprozesses entstanden. Mir ist zunehmend aufgefallen, dass wenn man auf das Social-Media-Profil einer öffentlichen Person schaut, dort fast immer Hass-Kommentare zu finden sind. Es ist ein extrem wichtiges Thema, welches mehr Aufmerksamkeit braucht. Musik ist meine Möglichkeit mich auszudrücken und meinen Beitrag zu leisten, also entstand die Kampagne dann ganz organisch.

Musstest Du bereits selbst Erfahrungen mit Hass im Netz machen und wie gehst Du damit um?

Es ist bei mir zum Glück nicht sehr viel. Natürlich hat man hier und da Kommentare bekommen, die schon heftig sind und egal wie oft man sich sagt, „dass ist einer aus Hundert, ignoriere es einfach“, am Ende trifft es einen. In der Kampagne haben wir auch ein Zitat aus einer Studie gelesen, welches sagt, dass es fünf positive Kommentare braucht, um einen negativen auszugleichen. Das merkt man auch selber, dass leider der eine negative Kommentar viel länger im Kopf bleibt als die positiven. Es ist wahrscheinlich einfach menschlich.

Was würdest Du jungen Menschen raten, die Opfer von Hass und Mobbing im Netz werden?

Es ist wichtig darüber zu sprechen. Viele schämen sich oder trauen sich nicht, dies zu tun. Ich spreche viel mit meinen Freunden und Geschäftspartnern darüber, wie ich vorgehen soll. Soll ich es kommentieren? Soll ich in den Dialog treten oder mich rechtfertigen? Eine allgemeingültige Lösung gibt es da nicht. Was mir hilft, ist zu wissen, dass diese Menschen es oft gar nicht so meinen. Es hat oft damit zu tun, dass die Menschen unzufrieden sind und sich ein Ventil suchen, um den Frust rauszulassen.

Kommen wir zu positiveren Themen: Du kommst aus Herne, quasi bei uns um die Ecke. Was verbindest Du mit Deiner Heimat?

Dönerbuden (lacht). Nein Spaß. Das Ruhrgebiet hat seinen ganz eigenen Charme, den Ruhrgebiets-Flair. Ich bin dort aufgewachsen und habe meine ganze Jugend dort verbracht. Ich liebe die Mentalität der Menschen. Es ist eine finanziell eher schwache Region, was dazu führt, dass die Menschen sich untereinander helfen. Egal, wo es mich mal hinziehen wird, wie auch jetzt nach Bonn, ich werde mich immer mit dem Ruhrgebiet verbunden fühlen.

Mausio hofft, im Winter zumindest wieder Club-Konzerte spielen zu können, um sein Publikum mal wieder live zu sehen. © Photo by Neon-Photography.com | © Photo by Neon-Photography.com |

Vor rund einem Jahr hast Du beim Musiklabel Warner Music unterschrieben. Seitdem ist viel passiert und Du hast einige Erfolge gefeiert. Wie hast Du diese Zeit rückblickend erlebt?

Es war musikalisch das aufregendste und lehrreichste Jahr, das ich jemals hatte. Normalerweise habe ich nicht so viel Zeit im Studio. Durch den quasi permanenten Lockdown und den kompletten Ausfall jeglicher Shows, habe ich meine Zeit eigentlich 24/7 im Studio verbracht und habe extrem viele Sachen ausprobiert, die ich immer mal machen wollte, für die ich aber nie die Zeit hatte.

Ich habe mit Sängerinnen und Songwritern aus der ganzen Welt gearbeitet und meine Fähigkeiten extrem verbessert. Das, was ich im vergangenen Jahr gelernt habe, kam mir vor wie der Drei-Wochen-Kompaktkurs in der Fahrschule.

Wenn man sich deine Streaming-Zahlen anschaut, bewegst Du Dich regelmäßig bei über zwei Millionen Streams und über einer halben Millionen Hörer jeden Monat. Musst Du Dich manchmal kneifen, um das zu realisieren?

Klar schaue ich mal auf meine Zahlen oder bekomme Updates von meinem Team, aber so klingt das noch mal ganz anders. Das sind echt viele Menschen, mehr als Herne Einwohner hat (lacht). Ich bin aber absolut kein Zahlenmensch. Ich nehme die Resonanz vor allem bei Liveauftritten wahr. Das ist für mich komplett verrückt, was dort an Emotionen transportiert wird und an Resonanz kommt. So etwas können auch Millionen Streams nicht abbilden. Die zwei Millionen sind eine Zahl. Ich muss mich immer wieder kneifen und fragen, wie viele Auftritte ich spielen müsste oder wie groß die Bühne sein müsste, um eine solche Masse darzustellen.

Was hast Du dieses Jahr noch geplant? Hoffst Du noch auf Festivalauftritte oder planst Du schon eine Alternative für Deine Fans?

Ich habe so unfassbar viele Songs fertig, dass ich morgen ein Album herausbringen könnte. Natürlich hoffe ich auch auf eine Rückkehr zum Live-Geschäft, sehe dies aber eher im Winter in der Clubsaison. Man sieht ja gerade, dass fast alle Festivals ihre Termine absagen. Alternativen sind für mich schwierig, ich fühle mich bei Livestreams nicht wohl. Es klingt komisch, aber auf einer Bühne vor 10.000 Menschen, bin ich freier als alleine vor der Kamera.

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