Persönliches

Ein Leben ohne unsere Eltern

Das Älter-Werden macht sich bei Autorin Laura* durch viele Dinge bemerkbar – lustige wie traurige. Ein Indiz fürs Altern, das sie an ihren Freunden beobachtet, macht ihr aber echte Sorgen.
Unsere Jugendredakteurin sieht an ihren Freunden, dass viele bereits eine eigene Familie gründen, teils aber bereits eins ihrer Elternteile verloren haben. © pixabay.de

Immer öfter kommt es vor, dass ich in diesen Tagen innehalte und denke: „Tja, jetzt komme ich wohl in das Alter, in dem man…“. Das kann dann alles Mögliche sein, zum Beispiel in das Alter, in dem ich mich mit dem Finanzamt rumärgern muss. Oder in das Alter, in dem man sich mit Freunden auch mal auf ein Stück Kuchen mitten am Tag treffen kann und um 22 Uhr gemütlich im Bett liegt.

Vielleicht bin ich auch jetzt langsam in dem Alter, in dem alle meine Freunde entweder heiraten und Kinder bekommen oder krasse Karrieren am Start haben oder sogar beides. Das sind alles mal mehr mal weniger schöne Veränderungen, die die fortschreitende Alterszahl mit sich bringt.

Sprachlosigkeit gegenüber betroffenen Freunden

Doch ein Phänomen bricht mir wirklich das Herz: Ich bin jetzt langsam in dem Alter, in dem nicht mehr die Großeltern sterben, sondern die Eltern meiner Freunde. Gott sei Dank nicht regelmäßig und häufig, sondern ab und an. Aber doch so, dass es vermehrt vorkommt. Eltern, die man aus der Schulzeit gut kannte, sind auf einmal nicht mehr da, wegen schweren Krankheiten. Und der Tod macht wieder das mit einem, was man kaum ertragen kann: Er macht einen sprachlos.

Vor allem, wenn Freunde ihre Eltern verlieren.

Was soll man da sagen? Man kann es nicht nachempfinden. Man will es auch gar nicht nachempfinden können, wenn man ehrlich ist. Alles, was man sagen könnte, ist stumpf und bedeutungslos. Nichts wird helfen. Ich meine, ohne meine Eltern, wer bin ich denn dann?

Der Gedanke an das Unausweichliche schmerzt

Denn ich bin ganz sicher noch nicht in dem Alter, indem ich ohne meine Mama und ohne meinen Papa auskomme. Schließlich müssen sie mir doch helfen, wenn ich mich mit dem Finanzamt rumärgere. Oder sie geben mir ein gutes Rezept, wenn ich mich mit Freunden auf ein Stück Kuchen am Nachmittag treffe. Oder aber sie sind mein Vorbild, wenn es darum geht, um 22 Uhr schon gemütlich im Bett zu liegen.

Mir bricht mein Herz, wenn ich sehe, dass meine Freunde jetzt ohne ihre Eltern dastehen. Ohne bisher geheiratet zu haben oder sie zu Großeltern gemacht zu haben – und selbst wenn. Als bräuchte man seine Eltern nicht am meisten, wenn man selbst grad zum Elternteil geworden ist. Gibt es überhaupt ein Alter, indem man seine Eltern ziehen lassen kann, einfach so?

Nähe schenken und für einander da sein

Ich versuche, die Tipps meiner Eltern mit denen zu teilen, die leider keine mehr haben. Ich möchte für sie da sein und die Welt mit ihnen verfluchen und das Leben mit ihnen trotz allem lieben. Denn irgendwann kommen wir in das Alter, indem wir merken, dass Geld und Karriere, der Job und dicke Autos nichts bedeuten, wenn wir am Ende alleine dastehen.

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