Persönliches

Endlich wieder Außengastronomie!

Die Außengastronomie hat nach langer Zeit wieder geöffnet - ein Grund zur Freude! Und dennoch fällt es Annika schwer, sich auf dieses Stück Normalität einzulassen. Wie lebt man nochmal?
Das erste Bierchen in der Außengastronomie nach der Corona-Zwangspause hatte Annika sich irgendwie anders vorgestellt. © picture alliance/dpa

Lange lange haben wir darauf hingefiebert ein Stück Normalität wiederzuerlangen. Gerade mit den letzten Beschränkungen wie der Ausgangssperre war die Freiheit eines jeden doch sehr stark beeinträchtigt und der Wunsch nach einem Post-Corona-Szenario wurde immer größer.

Jetzt sinken die Zahlen und die Lockerungen purzeln von Tag zu Tag auf uns ein. Es ist sogar wieder möglich, die Außengastro von Kneipen und Restaurants zu nutzen. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal in der Öffentlichkeit saß und ein alkoholhaltiges Getränk getrunken habe. Ganz davon ab, dass ich während der Pandemie sowieso nur sehr sehr wenig Alkohol getrunken habe.

Statt Freude und Freiheitsgefühl kam Verunsicherung

Doch auch ich habe die Fesseln letztens abgeworfen und mich auf die Straße voller Kneipen und Restaurants getraut. Ich habe mich umgesehen, das Leben eingeatmet – und hatte plötzlich doch Schiss vor den ganzen Aerosolen um mich herum.

Statt ausgelassen in das Wochenende zu starten, haben mich die Massen an Menschen, die ihre Masken auch eher sporadisch trugen, verunsichert. Klar, ein Stück weit entspricht dieses Bild den Lockerungen, doch die Menschen haben zu sehr Lust auf Freiheit und es sind definitiv zu viele um Abstände oder irgendwas einzuhalten, was wir in den vergangenen Monaten gelernt haben.

Das Bad in der fröhlichen Masse blieb aus

Die aktuellen Zahlen wirken trotz allem so, als könnten wir uns die Unvernünftigkeiten plötzlich erlauben. Und so habe ich versucht, nach meinem alten Ich zu kramen, dass nur in seltenen Fällen Probleme mit Menschenansammlungen hatte und mich wieder so zu benehmen, wie es vor Corona der Fall war. Ich wollte auch, dass es sich wieder normal anfühlt, einer von Hunderten zu sein und sich durch die Gassen zu schieben.

Ich konnte nicht. Ich war einfach schlichtweg nicht in der Lage, das Treiben zu genießen, ohne im Hinterkopf ständig zu denken: „Alta! 1,5 Meter Abstand bitte!“. Dennoch wollte ich auf die Erfahrung der Außengastro, die im Moment alle machten, nicht verzichten und suchte also eine Kneipe auf, die ein Stück abseits des Massentrubels lag und eher einen improvisierten Außenbereich hatte, als das, wovon man Monate lang geträumt hat.

Das Ziel im Nieselregen: Eine Kneipe an der Hauptstraße

Stühle und Bänke waren auf dem schmalen Bürgersteig an einer viel befahrenen Straße aufgebaut – herzlich wenig charmant – und zugegeben, es gab auch ein wenig Nieselregen. Und trotzdem war es eine der schönsten Erfahrungen seit langem, mal wieder überteuertes Bier zu bestellen, auf andere Menschen zu treffen, Teil des öffentlichen Lebens zu sein.

In Interaktion mit dem Kellner zu gehen, der so überschwänglich und gleichzeitig tollpatschig beim Servieren war, dass man es ihm noch im Frühjahr 2020 sicherlich nicht verziehen hätte und nun Verständnis dafür hat. Und zwar dafür, dass die Leute aufgekratzt sind und Bock haben. Dass Leben zu feiern, Geld auszugeben und im Nieselregen auf einem Holzstuhl auf dem Gehweg zu sitzen und vier Euro für eine Flasche Bier auszugeben.

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