Persönliches

Möbel-Montage: Schweißgebadet zum neuen Wohnzimmertisch

Möbel zusammenzubauen wirkt auf den ersten Blick immer ziemlich einfach. Wenn man dann jedoch vor einem riesigen Wirrwarr aus Einzelteilen steht, kippt die Laune. Das weiß auch Miriam.
Als Miriam die Menge an Schrauben sah und das Gewicht des riesigen Akkuschraubers in den Händen spürte, war sie von ihrem Plan, den Wohnzimmertisch alleine aufzubauen, nicht mehr ganz so angetan. © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Stirnrunzelnd sitze ich inmitten eines Haufens von Holzbalken, Schrauben, Tischplatten und noch mehr Schrauben, der sich laut der unwahrscheinlich schlecht und unpräzise gezeichneten Anleitung angeblich zu einem Couchtisch der Ausführung „Panama“ zusammenfügen lassen soll. Dabei sah der hölzerne, rechteckige Tisch auf der Abbildung noch ganz harmlos aus.

Mehr Einzelteile und Schrauben als befürchtet

Erst beim Auspacken einer beeindruckenden Menge von Einzelteilen und hunderten von Schrauben mit bemerkenswerter Größenvielfalt, bereute ich das großzügige Angebot an meine Mutter, ihren neuen Couchtisch frei nach dem Motto „selbst ist die Frau“ im Alleingang aufzubauen. „Sollen wir nicht lieber auf Papa warten?“, fragt meine Mutter vorsichtig, die von mir später noch den inoffiziellen Titel als miserabelste Tischteile-Anhalterin aller Zeiten erhalten sollte.

„Nein!“, raunze ich, während ich angestrengt versuche, aus Schritt 2.1 der verkehrt herum zusammengehefteten Anleitung schlau zu werden. So schwer kann das doch nicht sein! Immerhin habe ich mit meiner besten Freundin schon eine Vier-Meter-Schrankwand eines schwedischen Möbelherstellers mehrfach auf- und wieder abgebaut, und die sind auch nicht gerade bekannt für eindeutige Montageanleitungen.

Das Gewicht des Akkuschraubers ersetzt das Hantel-Training

Selbstbewusst zücke also ich den riesigen Profi-Akkuschrauber meines Vaters und versuche mit zusammengebissenen Zähnen, die Einschraubdübel einigermaßen gerade in die Tischplatte zu versenken. Der Schrauber ist ziemlich schwer und für meine kleinen Hände verflixt unhandlich, aber mit einem Blick auf die rund 300 Schrauben, die noch irgendwo in diesem Konstrukt Platz finden müssen, entscheide ich mich gegen eine manuell betriebene Ausführung eines Kreuzkopf-Drehmomentgebers und bleibe dem elektrischen Apparat doch lieber treu.

Im Schneckentempo nimmt der Tisch Gestalt an. Als ich mich anschicke, die Schienen für die Schubladen zu montieren, bleibt mir dann allerdings das Herz stehen: Ich habe zwei Holzbalken spiegelverkehrt eingebaut und somit stimmen die Bohrlöcher nicht überein. Ich versuche tief durchzuatmen und mache in meinem Kopf erst einmal drei Yoga-Sonnengrüße. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren!

Zerstörte Einzelteile werden gekonnt ersetzt oder ignoriert

Ich verkünde meiner entsetzten Mutter, dass ich nun ungefähr sieben Arbeitsschritte mit einer Arbeitszeit von ca. eineinhalb Stunden mehr oder weniger werde rückgängig machen müssen und sie die zu lockernden Teile AUF JEDEN FALL GERADE (!) FESTHALTEN SOLL! Was sie nicht tut. Dennoch bekomme ich es unter dem Einsatz von leichter Gewalt irgendwie hin, die Balken zu tauschen, ohne das Holz (auf später sichtbare Weise) zu beschädigen. Lediglich zwei Verbindungsbeschläge müssen dran glauben.

Zum Glück findet sich im Keller zumindest für einen Beschlag ein Ersatz und ich verdränge das mulmige Gefühl, dass der fehlende Beschlag sich noch zu einem Problem entpuppen könnte, ziemlich erfolgreich. Geschlagene vier Stunden später, noch bevor meine Mutter diesen Job an meinen Vater übergeben kann, ist der Tisch allerdings tatsächlich fertig montiert.

Der nächste Geburtstagswunsch steht schon fest

Ich bin fix und fertig, habe an den unmöglichsten Stellen blaue Flecken und meine Haare gleichen aufgrund der schweißtreibenden Aktion einem öffentliches Ärgernis, aber das Ding steht stabil, der Zwischenboden sitzt fest und die Schubladen lassen sich sogar öffnen. Hochzufrieden, dass ich mich von einem Haufen Holz, einer von einem Sadisten verfassten Montageanleitung und einem tonnenschweren Akkuschrauber nicht habe unterkriegen lassen, sortiere ich die Bits wieder in den Werkzeugkoffer ein und fühle mich dabei wie die Heimwerkerin des Jahres.

Falls noch jemand nach einem passenden Geschenk für mich sucht: Ich hätte gerne einen XS-Profi-Akkuschrauber für meine nächsten Projekte. Vorzugsweise in pink. Danke!

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