Im Gespräch mit Scenario

Wincent Weiss im Interview über sein neues Album und sein WG-Leben

Mit seinem neuen Album „Vielleicht irgendwann“ hat es Wincent Weiss direkt auf die Eins der Charts geschafft. Darauf thematisiert er die Zeit, in der er sich einigen Ängsten stellen musste.
Wincent Weiss hatte sein Lachen für eine Weile verloren. Über diese härteren Zeiten singt er auf seinem neuen Album "Vielleicht Irgendwann". © Marvin Ströter

„Vielleicht irgendwann“ heißt das neue Album von Wincent Weiss. Dort wird er auch mal ungewohnt ernst und widmet sich dringlichen Themen. Dass es aus seiner Sicht keine Tabuthemen gibt, und, dass der persönliche Umgang mit Social Media ihn manchmal vor Herausforderungen stellt, verrät Wincent im Interview.

Dein neues Album, mit dem Du direkt an die Chartspitze gestürmt bist, heißt „Vielleicht Irgendwann“. Mit einem Augenzwinkern gefragt: Ist der Titel der aktuellen Situation geschuldet, vielleicht irgendwann wieder Konzerte spielen zu können?

Vielleicht irgendwann war gar nicht auf Konzerte bezogen, denn als ich angefangen habe das Album zu schreiben, gab es die Situation noch nicht. Es ist eher auf mich bezogen, dass ich vielleicht irgendwann einmal da ankomme, wo ich sein möchte.

In dem Song „Was habt Ihr gedacht“ sprichst Du über Deine Ängste und die unschönen Seiten des Erfolges. Wie bist Du mit dieser Thematik umgegangen?

Ich glaube, es sind nicht wirklich Ängste. Klar, habe ich das Wort Angst benutzt, aber ich hatte eher Angst mich zu verlieren und nicht zurückzukommen zu der Leichtigkeit, die ich sonst immer hatte. Gefühle zuzulassen, sich auf einen Partner einzulassen, sich über die kleinen Dinge im Leben freuen – da hatte ich ein bisschen Angst vor, dass ich das verliere.

Vielen Menschen, vor allem jüngeren, fällt es schwer über ihre Ängste zu reden. Woran liegt das Deiner Meinung nach?

Ich glaube, dass die sozialen Medien einen großen Teil dazu beitragen. Es werden nur positive Seiten gezeigt und die negativen versteckt. Alles was schlecht läuft, wird nicht gezeigt. Ich hoffe, dass meine Musik und die Interviews, die ich dazu gebe, ein bisschen helfen, dass es kein Tabuthema ist. Man kann über alles sprechen und sollte sich nicht davor verstecken, sondern diese Themen angehen. Egal in welcher Form. Es gibt überall Schattenseiten, auch wenn die in den sozialen Netzwerken nicht gezeigt werden.

Hast Du keine Angst davor, zu viel von Dir preiszugeben?

Bis jetzt kommt es bei den Menschen gut an, dass ich über vieles so offen spreche. Klar, je mehr man von sich erzählt, desto mehr macht man sich angreifbar. Je offener man ist, desto mehr Fragen muss man sich stellen, zum Beispiel in Interviews. Es gibt Dinge, die man im Leben privat halten sollte, daran muss ich noch ein bisschen arbeiten. Ich habe gelernt, dass ich meine Beziehung nicht in der Öffentlichkeit präsentieren sollte, da man sonst viel Negatives in den sozialen Netzwerken liest. Das würde ich in Zukunft privat halten.

Klar, jeder Mensch hat schließlich ein Privatleben…

… genau. Das ist das, was die Leute verstehen müssen. Egal wie offen man ist, man hat immer noch ein Anrecht auf ein Privatleben. Durch die sozialen Medien ist man so nahbar, dass häufig vergessen wird, dass man in bestimmten Momenten auch eine Privatperson sein möchte.

Du hast eine ganze Zeit lang in Berlin gelebt, dann warst Du durch das Tour-Leben viel unterwegs. Als letztes hast Du in München in einer WG gewohnt. Lebst Du dort immer noch?

Ich wohne in Lübeck in meiner Heimat, habe aber in München zwei Zimmer, da dort mein Studio ist und ich dort Musik produziere. Ich hatte keine Lust mehr in Hotels zu wohnen, wo ich nie die Sachen ausgepackt habe. Jetzt habe ich ein eigenes Bett und kann auch einfach mal meine Klamotten auf dem Boden liegen lassen. Es ist ein kleiner Wohlfühlort für mich.

Wie ist die Aufgabenverteilung bei Euch in der WG?

Die ist sehr unfair, denn mein Mitbewohner macht alles und ich nichts (lacht). Das tut mir sehr leid. Dadurch, dass ich nur alle zwei Wochen einmal da bin, hat er die ganze Wohnung für sich allein. Ich finde das WG-Leben super! Lange habe ich allein gewohnt und jetzt kann man zusammen kochen oder wird versorgt. Manchmal wenn ich Interview-Tage habe, versorgt er mich. So eine WG kann man sich nur wünschen (lacht).

In Deiner Freizeit bist Du gerne mit Deinem Motorrad unterwegs. Gibt es eine Sportart, die Du gerne nochmal ausprobieren würdest?

Ich wollte eigentlich einen Fallschirmsprung-Schein machen, damit ich überall springen kann, wo ich im Urlaub bin, um mir alles von oben anzuschauen. Vor zwei Jahren war ich das erste Mal surfen. Das möchte ich im Sommer, wenn es geht, wieder machen. Dann nehme ich meinen Bulli, packe das Surfbrett ein, fahre zum Strand und surfe den ganzen Tag. Es kann passieren, dass ich mich dieses Jahr von Social Media für ein bis zwei Wochen verabschiede, um mir eine Auszeit zu gönnen.

Wincent, eine letzte Frage: Was wird das Erste sein, was Du nach Corona machst, abgesehen von Deinen Auftritten?

Menschen umarmen und ausgelassen tanzen. Jeden Freund, den ich finde, werde ich in den Arm nehmen.

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