Fußball

„Es muss ein Ball dabei sein“: Gerd Kedziora wird 80

Er hat für BVB, Preußen Münster und TSV Marl-Hüls gespielt, fast 20 Jahre den Dorfklub SuS Polsum trainiert und ist noch immer am Ball: An diesem Mittwoch feiert Gerd Kedziora 80 Geburtstag.
Er kann vom Fußball nicht lassen: Gerd Kedziora bei einem Spiel der Ü60-Kreisauswahl auf der Sportanlage des FC Marl. Erst die Coronakrise hat den 80-Jährigen gestoppt. © G.Spitzer

Dass der SuS Polsum in den Achtziger- und Neunzigerjahren eine feste Größe in der Kreisliga A gewesen ist, gilt als sein Verdienst: Von 1984 bis 1999 und von 2005 bis 2007 trug Gerhard „Gerd“ Kedziora die sportliche Verantwortung beim Dorfverein. Heute wird der frühere Vertragsspieler, der bis zur Corona-Zwangspause am Ball geblieben ist und mittlerweile in Marl wohnt, 80 Jahre alt.

Zum runden Geburtstag ist Klartext angesagt. Gerd Kedziora spricht über…

… die Umstände, unter denen er das Fußball-ABC gelernt hat: Der kleine Gerd war ein Straßenfußballer der alten Schule. Sein fünf Jahre älterer Bruder nahm ihn gern mit, weil das Talent des Juniors früh auffiel. „Im Schüleralter bin ich dem FC Brambauer beigetreten“, berichtet der Jubilar.

… seinen Spitznamen „Kingo“, den er als Mitglied der A-Jugend des FC Brambauer, die 1959 Westdeutscher Meister wurde, trug: „Den Spitznamen habe ich von meinem Bruder geerbt. Warum er so genannt wurde, weiß ich gar nicht. Ich habe das irgendwann akzeptiert“, erinnert sich Gerd Kedziora. Fest steht: Der Offensivmann gehörte zu den Leistungsträgern der Elf, die sich im Schatten des großen Nachbarn BV Brambauer einen Kultstatus erarbeitete und ihre Heimspiele vor über 1000 Zuschauern austrug.

Kulturschock bei Borussia Dortmund

… den Trainer, der ihn als Fußballer und Mensch am meisten geprägt hat: Seine ersten Sporen als Seniorenkicker verdiente sich das Geburtstagskind bei Borussia Dortmund. Ein Kulturschock, denn der „King von Brambauer“ war plötzlich Mitläufer: „In der Zeit hat mich Trainer Max Merkel geformt. Vor ihm hatten alle Respekt. Er hat uns klar gemacht, dass wir zusammen gewinnen und verlieren.“

… die Gründe, warum ihm in seiner aktiven Laufbahn der ganz große Durchbruch verwehrt geblieben ist: Gerd Kedziora spielte für Preußen Münster in der Oberliga sowie beim TSV Marl-Hüls, wo er mit Trainer Rudi Gutendorf nicht auf einer Wellenlänge funkte, und Eintracht Gelsenkirchen in der Regionalliga West, später zwei Jahre an der Seite von Peter Nogly für Phönix Lübeck in der Regionalliga Nord. Dass der Sprung in die Bundesliga nicht klappte, führt er auf die fehlende persönliche Beratung hin. „Mit einem Manager hätte es vielleicht geklappt. Das war für mich alles Neuland.“

Nach der Fußball-Laufbahn auf die Zeche Westerholt

… die Parallelen zwischen der Tätigkeit als Ausbilder auf der Zeche Westerholt und der Arbeit als Trainer: Nach der Rückkehr von der Ostsee ließ sich der Angreifer reamateurisieren und spielte fortan für den SC Hassel. Nebenbei machte der gelernte Schlosser auf der Zeche Westerholt Karriere, besuchte mit Erfolg die Meisterschule und stieg zum Leiter der Ausbildungswerkstätten auf. Wenn die Leistung stimmte, ließ er seinen Mitarbeitern und den Lehrlingen ihre Freiheiten. Damit ist er auch als Trainer gut gefahren. „Wichtig war mir immer, jeden gleich zu behandeln.“

… die Ursachen, die ihn zum Langzeit-Trainer des SuS Polsum schlechthin gemacht haben: „Wir waren in all den Jahren eine gute Gemeinschaft. Ich hatte auch andere Angebote, aber ich weiß nicht, ob es dort genauso harmonisch gewesen wäre“, blickt Gerd Kedziora zurück. „Außerdem habe ich mir die Arbeit der Nachwuchsabteilung angeschaut: Ich wusste, da kommen Jungs hoch, die es wissen wollen.“

Abstieg des FC Schalke 04 ärgert Kedziora mächtig

…die Gründe, warum er nach dem Ende der Trainerlaufbahn beim SuS Polsum 2007 am Ball geblieben ist: „Ich möchte auch heute noch etwas für meine Fitness tun. Stur durch die Gegend zu laufen, war aber nie mein Ding. Es muss ein Ball dabei sein, das macht Spaß und beansprucht den Körper durch die Intervalle ganz anders.“

… die Möglichkeit, dass die Corona-Zwangspause das Ende der Karriere bedeuten könnte: Bei aller Fußball-Verrücktheit ist der jetzt 80-Jährige ehrlich: „Ich gehe in diesen Zeiten extra viel zu Fuß und verzichte zu Hause bewusst auf den Fahrstuhl. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, wie es weitergeht. Ich muss erst einmal wieder hereinkommen.“

… die Gefühle, die der Abstieg des FC Schalke 04 bei ihm als früheren Gelsenkirchener auslöst: „Das war doch vorprogrammiert“, findet Kedziora, der sich über Team und Management ärgert. Es fällt ihm schwer, Verständnis für die aktuelle Mannschaft aufzubringen: „Sie verdienen einen Haufen Geld. Dafür darf man doch erwarten, dass sie arbeiten.“ Ein System sei zuletzt schwer erkennbar gewesen. „Ich freue mich, wenn sie schnell wieder zurückkommen.“

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