Fußball

FC Marl gegen VfB Hüls: Rassismus-Vorwürfe beim Bezirksliga-Derby

Das Marler Bezirksliga-Derby hat für viel Gesprächsstoff gesorgt. Sportlich, aber auch, weil es rassistische Beleidigungen gegeben haben soll.
Das Derby war auch geprägt von vielen intensiven Zweikämpfen verteilt über das gesamte Spielfeld. Neben dem Platz soll es zu rassistischen Beleidigungen gekommen sein. © Sebastian Schneider

Manchmal ist der Fußball so packend, dass man alles andere ausblendet, auch im Amateurbereich. Das ist manchmal gut so, manchmal aber auch nicht. So war es beim Marler Bezirksliga-Derby am Sonntag zwischen dem FC Marl und dem VfB Hüls (1:2).

Mitte der zweiten Hälfte ging es auf dem Platz hin und her, der FCM lief dem 0:1-Rückstand hinterher, der VfB verteidigte leidenschaftlich und versuchte, die Begegnung über Konter zu entscheiden. Da wurde die Aufmerksamkeit der Zuschauer abgelenkt, denn Ordner mussten eingreifen, um einen Konflikt zwischen Zuschauern und den VfB-Ersatzspielern zu lösen, die sich hinter dem Hülser Tor warmmachten. Wer nicht in der Nähe stand, bekam nicht mit, worum es da ging und wandte sich schnell wieder dem Spiel zu, das bis in die Schlussminuten packend und spannend blieb.

„Wir sind die ganze Zeit über beleidigt worden“

Nicht so diejenigen, die beteiligt waren. VfB-Spieler Dennis Kündig, der nicht zum Einsatz kam, schildert die Ereignisse so: „Wir sind die ganze Zeit über aus einer Gruppe von 30 bis 50 Zuschauern beleidigt worden“, sagt der 28-Jährige. Und irgendwann habe es aus dieser Menge heraus rassistische Sprüche an Duhan Yildirims Adresse wegen seiner türkischen Wurzeln gegeben. „Man konnte nicht ausmachen, wer aus der Gruppe das war“, so Kündig. „Er ist dann zu den Zuschauern gelaufen und hat gerufen, was sie denn von ihm wollten, woraufhin er Bier abbekommen hat.“

Dann seien Ordner gekommen, hätten Yildirim abgedrängt. „Ich kenne viele beim FC Marl und habe mich mit denen hinterher unterhalten. Selbst die haben gesagt: So etwas geht gar nicht“, erzählt Kündig und ergänzt: „Natürlich kann die Mannschaft des FC Marl nichts dafür.“

Zuschauer bestreitet die Vorwürfe

Marls zweiter Vorsitzender Frank „Jupp“ König war schnell vor Ort, ist den Vorwürfen nachgegangen und bestreitet sie. „Ich habe mit der Person gesprochen, die rassistisch beleidigt haben soll. Sie hat mir versichert, dass sie das nicht getan hat, und daneben stand ein Alte-Herren-Spieler von uns, dem ich vollkommen vertraue.“

Rund 250 Zuschauer sahen auf dem Feld ein rassiges Derby mit vielen strittigen Szenen. FC-Geschäftsführer Frank Tollkamp hätte sich 100 mehr gewünscht. „Aber Sinsen hat zu Hause gespielt, es gab das Kreisliga-A-Derby in Hamm, Polsum hatte ein Heimspiel und nachmittags gab es Formel 1 und das Gladbach-Spiel im Fernsehen“, sagt er.

Wer vorm Fernseher gesessen hat, hat etwas verpasst. Unter anderem die Gelb-Rote Karte gegen FC-Spielmacher Kim Völkel (61.) nach einem Foul am Hülser Torschützen Evgenij Lakstankin, der daraufhin verletzt vom Platz musste. Die Entscheidung des Unparteiischen Masoud Hassan Khamo war ebenso umstritten wie viele andere. „Den Platzverweis konnte mir der Schiedsrichter nicht erklären“, sagte FC-Trainer Mani Mulai hinterher. „Und bei der ersten Gelben Karte kreuzt der VfB-Spieler Kims Weg. Wo soll er hin?“

Verletzung von Pereira könnte schlimmer sein

Für VfB-Coach Elvir Saracevic war die Ampelkarte für Völkel hingegen sogar noch milde. „Ein Foul von hinten ist mindestens Gelb. Und er war ja schon vorbestraft“, sagte er.

Saracevic musste nicht nur Angreifer Evgenij Lakstankin verletzungsbedingt herunternehmen, sondern zuvor schon Mittelfeldspieler Dominik Pereira, der nach einer knappen Stunde vom Platz humpelte. Zumindest bei Lakstankin gibt es eine vorsichtige Entwarnung: „Bei ihm gehen wir im Moment von einer starken Prellung aus“, so Saracevic. Bei Pereira könnte es etwas Schlimmeres sein. „Aber Genaues wissen wir noch nicht.“

Für den FC Marl heißt es zunächst, die Niederlage zu verdauen. „Wir werden das am Dienstag beim Training analysieren“, kündigte Mani Mulai an.

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