Fußball

Mit dem letzten Schuss: TuS 05 Sinsen macht Traumstart perfekt

Diese Pointe hätte man sich kaum ausdenken können. In einer turbulenten Nachspielzeit schlägt der TuS 05 Sinsen den VfB Fichte Bielefeld mit 2:1. Bereits der dritte Erfolg des Westfalenligisten.
Abpfiff in Sinsen: Der TuS 05 feiert Leonard Onofaro, die Gäste sind bedient. In der 97. Minute ist der Ball zum 2:1 eingeschlagen. © Thomas Braucks

In der 89. Minute stellte ein Sinsener Edelfan – Name ist der Redaktion bekannt – nüchtern fest: „Hier passiert nichts mehr.“ Kaum gesagt, verließ er seinen Stammplatz hinter dem Tor und steuerte sein Auto an. Hat ja auch seinen Vorteil, gemütlich und ganz ohne Stau vom Parkplatz zu rollen. Das hätte er besser nicht getan: Der Marler verpasste die garantiert turbulenteste Nachspielzeit dieser Westfalenliga-Saison.

In der Nachspielzeit geht’s richtig ab

90 Minuten zwischen dem TuS 05 Sinsen und dem VfB Fichte Bielefeld waren längst herum, als die Gastgeber noch einmal einen Eckball vors Tor der Ostwestfalen treten durften. Plötzlich ging‘s im „16er“ hoch her: Der zu kurz abgewehrte Ball erreichte Semih Gülsoy, und als der Neuzugang vom TuS Haltern gerade aus 14 Meter abziehen wollte, wurde er rüde von den Beinen geholt. Der Dortmunder Schiedsrichter Sebastian Strube zögerte keinen Moment und zeigte in der 93. Minute auf den Punkt. Die heftigen Proteste im Anschluss stimmten den Mann auch nicht um. Wie auch?

Niedrig übernimmt die Verantwortung

Es war die Chance zu einem echten Fußball-Rührstück. Kein anderer als Lorenz Niedrig legte sich in seinem letzten Einsatz für den TuS 05 Sinsen den Ball zurecht. Warum gerade er? Trainer Dennis Hübner: „Wir haben keine Liste mit einer Rangfolge. Die Anweisung lautet: Wer sich sicher fühlt, nimmt den Ball und macht ihn rein.“

Sollte der Oer-Erkenschwicker mit dem letzten Schuss des Spiels seiner Elf noch einen „Dreier“ bescheren? Niedrig schoss hart und flach. Allein: Fichtes Torhüter Matti Kuuse tauchte ins Eck und hielt.

Ein paar unfreundliche Worte flogen hin und her, beide Mannschaften beharkten sich in einer Rudelbildung – und übersahen, dass Assistent Yannick Rupert auf der Torauslinie längst die Fahne gehoben hatte. Rupert hatte registriert, dass Fichtes Torhüter viel zu früh von seiner Torlinie gesprungen war. Dass der Linienrichter kein Auge zudrückte, hatte sich Kuuse womöglich selbst zuzuschreiben: In 90 Minuten hatte der Bielefelder wiederholt und lautstark das Gespann wegen vermeintlicher Fehlentscheidungen angepampt.

Leonard Onofaro bleibt cool

Die Gäste verstanden die Fußballwelt nicht mehr, die Entscheidung aber stand. Lorenz Niedrig versuchte das Schicksal nicht ein zweites Mal. Er überließ Leonard Onofaro den Ball. Und der ehemalige Waltroper blieb cool. Dass Kuuse beim Schuss des Sinseners wieder eineinhalb Meter vor sein Tor gesprungen war, spielte keine Rolle: der Ball schlug hoch im Tor ein. Die Uhr zeigte inzwischen die 97. Minute.

Sinsen tanzte, die Ostwestfalen schlichen geschlagen in die Kabine. So recht verdient war das alles nicht: Der TuS 05 war zwar 30, 35 Minuten die bessere Mannschaft und ging durch Olcay Yilmaz verdient in Führung (32.). Danach steigerte sich der VfB Fichte und glich in der 45. Minute durch Nino Wemhöner aus. In der zweiten Halbzeit hatten beide Mannschaften die Chance auf ein zweites Tor. Am Ende aber lief alles auf ein leistungsgerechtes 1:1 hinaus, wie viele dachten. Bis dann doch noch etwas passierte…

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