Schwimmen

Mit dem „Geist von Biedermann“ auf EM-Kurs – Nina Jazy startet in Rom

Die Recklinghäuser Schwimmerin Nina Sandrine Jazy (15) startet in Rom bei der Junioren-Europameisterschaft - und das an historischer Stätte.
Packen für Rom: Nina Sandrine Jazy macht sich in ihrem Zuhause in Recklinghausen-Suderwich bereit für die Junioren-Europameisterschaft. © Jochen Börger

Die geschichtsträchtige Bedeutung des „Foro Italico“ muss Nina Sandrine Jazy gar nicht so bewusst sein, dafür hat sie in diesen Tagen viel zu viele andere Dinge im Kopf. Aber wenn die 15-jährige Schwimmerin aus Recklinghausen in drei Wochen das Unternehmen Junioren-Europameisterschaft angeht, spätestens dann wird sie mitten in Rom damit konfrontiert, dass hier schon Großes geschah.

„Foro Italico“ – Schwimmenthusiasten schnalzen bei diesem Begriff geradezu mit der Zunge. Wir schreiben das Jahr 2009, ein gewisser Paul Biedermann startet dort über 200 Meter Freistil im Finale und legt ein Rennen hin, über das man heute noch spricht: Goldmedaille, Weltrekord in 1:42:00 min. Der übermächtige Michael Phelps (USA) hatte ein Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen Peking die Phalanx von 1:43 min. durchbrochen und schlug in 1:42,96 min an. Das galt als Husarenstreich. Bis eben Biedermann kam und eine neue Fabelzeit hinlegte. Der Weltrekord besteht bis heute.

Talent wurde früh erkannt

Nina Sandrine Jazy war damals drei Jahre alt und kann sich an diesen Triumph natürlich nicht erinnern. Dass sie anno 2021 nun als Teenager ebenfalls im „Foro Italico“ um Medaillen kämpft – wenngleich natürlich in etwas kleinerem Rahmen – auch das war damals nicht vorhersehbar. Dass in ihr allerdings ein großes Talent schlummert, haben längst auch die Verantwortlichen des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) erkannt. Die EM in Rom vom 6. bis 11. Juli ist für die Suderwicherin ergo einer der Höhepunkte in ihrer noch jungen Karriere.

Schul-und Vereinswechsel

Viel ordnet die 15-Jährige dem Schwimmsport unter – und der Erfolg bleibt nicht aus. Im Gegenteil, im Blickfeld von DSV-Nachwuchsbundestrainer Carsten Gooßes ist Nina Sandrine Jazy schon seit geraumer Zeit. Beim SV Neptun in ihrer Heimatstadt ist sie groß geworden, fühlte sich dort wohl. Doch der Zeitpunkt für den nächsten Schritt war gekommen. Sportlich mit dem Wechsel in den A-Kader der Startgemeinschaft (SG) der Sportschwimmer in Dortmund, schulisch Richtung Goethe-Gymnasium Dortmund. Die Kombination zwischen Lernen und Training passt dort optimal – achtmal in der Woche geht es ins Wasser, zweimal davon morgens zwischen 7 und 9 Uhr.

Platz sieben bei der DM

Dass sie jüngst bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin schon unter Beweis stellte, im Konzert der Großen schon in jungen Jahren mitschwimmen zu können, mag Beweis genug dafür sein, dass sie vor einer verheißungsvollen Karriere steht. Europasportpark, A-Finale 100 Meter Freistil, Bahn sieben: Die 15-jährige Recklinghäuserin.

Neben ihr fast allesamt gestandene deutsche Spitzenschwimmerinnen wie Annika Bruhn (Neckarsulm), Olympia-Teilnehmerin, Jahrgang 1992. Sie sichert sich erwartungsgemäß den Titel. Nina Jazy behauptet sich im Finalrennen unterdessen hervorragend, wird am Ende Siebte. Und hat nun die Junioren-EM im Blick.

Erstes EM-Rennen am 6. Juli

Sie will erst gar nicht groß Ziele formulieren. „Dafür weiß ich viel zu wenig über die internationale Konkurrenz.“ Dafür weiß die Gymnasiastin allerdings, wann es ernst wird. Die EM-Rennen über 100 Meter Freistil sind für den 6. Juli angesetzt, über 50 Meter am 10. Juli. Die Staffel-Termine sind noch offen.

Aber allein die Tatsache, dass der Nationalmannschafts-Anzug in Kürze zusammen mit dem Badeanzug eingepackt werden kann, macht sie schon stolz. Und wer weiß, zu was der „Biedermannsche Geist“ im „Foro Italico“ noch alles gut sein kann.

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