Wandern

10 Punkte, die Sie sofort zum Wander-Experten machen

Wandern ist ein beliebtes Hobby. Doch wie gehe ich es richtig an? Dieser Überblick liefert Antworten auf viele Fragen, zeigt, wie Sie Fehler vermeiden und gibt Ratschläge für erste Touren.
Beim Wandern kann man eigentlich nicht viel falsch machen. So denken viele. Aber einige Dinge muss man trotzdem beachten. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Wandern ist jedem ein Begriff. Aber was steckt da eigentlich dahinter? Geht es darum, einfach weit und lang genug zu laufen und dabei die Natur zu erleben? Und wie viel Vorbereitung ist nötig? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu finden Sie hier. Beginnen wir damit:

1. Was unterscheidet Wandern vom Spazierengehen oder vom Walking?

„Wandern ist sportlicher als Spazierengehen. Man geht über längere Distanzen, ist dadurch längere Zeit unterwegs, trägt deshalb spezielles Schuhwerk und nimmt Verpflegung mit“, erklärt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV).

In einer Studie des Wanderinstituts heißt es: beim Wandern sei seit einigen Jahren „ein bewusstes Genießen schöner Natur und neugieriges Erkunden erlebnisreicher Landschaften“ in den Vordergrund gerückt.

Es gehe dabei mehr um „eine ausgesuchte, nicht zuletzt bergige Landschaft wie auch eine gezieltere Vorbereitung und Streckenauswahl“.

2. Welche Wandertypen gibt es – und welcher sind Sie?

Für manche Menschen fühlen sich zwei Kilometer schon wie eine Wanderung an, für andere zählt erst eine doppelt so lange Strecke. „Jeder definiert das anders“, so Klaus Erber, 1. Vereinsvorsitzender des Deutschen Wanderinstituts.

Die einen finden, es brauche ordentlich Steigungen oder Berge, um sich Wanderungen zu nennen, andere finden, das spiele keine Rolle.

Zwei Typen von Wandernden kristallisierten beim sogenannten Wandermonitor heraus. Für diesen Monitor führt die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften jedes Jahr Befragungen durch. Demnach gibt es:

  • diejenigen, die vorwiegend im Urlaub auf Tour gehen,
  • diejenigen, die Wandern übers Jahr hinweg in ihre Freizeit integrieren. Also öfters für Tagestrips den Rucksack packen.
  • Welchem Typ Sie entsprechen, wissen Sie wahrscheinlich schon. Oder Sie finden es als Anfänger heraus.

Fakten über den typischen Wanderer – aus dem Wandermonitor2020/21:

Alter: Wandernde sind im Schnitt rund 48 Jahre alt. Das Durchschnittsalter ist im Laufe der Jahre deutlich gesunken. „Noch vor einigen Jahren lag das Duchschnittsalter bei 60+“, sagt Erber.

Mittlerweile gebe es viele Menschen, die schon mit etwa Mitte zwanzig mit dem Wandern anfangen – passend zum Start ins Berufsleben.

Doch die Altersgruppe ‚50 Jahre und älter‘ überwiegt laut Wandermonitor noch häufiger als jüngere Altersgruppen. „Ob Jung oder Alt: Wir sitzen alle ständig vor dem Bildschirm.“ Wandern biete da eine gute Abwechslung.

Distanzen: Von einer Wanderung um die Welt träumen Wanderer – wenn überhaupt – oft nur. Doch auch die Strecken, die sie im Durchschnitt bewältigen, können sich sehen lassen. Wandernde legen im Durchschnitt knapp 18 Kilometer zurück.

Im aktuellen Wandermonitor gaben die Befragten für ihre letze Wanderung an:

  • sie war im Schnitt 17,8 Kilometer lang (2019: 15,4 Kilometer),
  • sie dauerte im Schnitt 5,2 Stunden (2019: 4,4 Stunden).

Landschaftsvorlieben: Wandernde mögen es am liebsten hügelig. Wandern kann inspirieren, vor allem, wenn man es unterwegs schön hat. Zu den beliebtesten Landschaftsformen in Deutschland gehören laut Wandermonitor:

  • Mittelgebirge (62 Prozent),
  • Hochgebirge und Alpen (19 Prozent),
  • Alpenvorland (9 Prozent) sowie
  • flaches Gelände, Küstenregionen, sonstige.

3. Wie beliebt ist das Wandern?

Wandern ist sehr beliebt: Über zwei Drittel der deutschen Bevölkerung bezeichnen sich selbst als „aktive Wanderer“ (69 Prozent). So das Ergebnis einer weiteren Wanderstudie der Ostfalia Hochschule.

Klaus Erber stimmt ein: „Der Begriff schreckt nicht mehr ab. Wandern haftet nichts Muffiges mehr an.“

Es gehe darum: „Die Natur erleben“ und „aktiv sein, sich bewegen“ – das seien die Top-Motivationsgründe deutscher Wanderer.

Und die Entwicklungen in unserer Gesellschaft steigerten „den Wunsch, draußen in der Natur zu sein“, unterstrichen die Autoren der Studie „Das Wanderverhalten der Deutschen in Zeiten der Corona-Pandemie“. 94 Prozent der Deutschen mache das Erleben der Natur glücklich. Wandern hat demnach ein wachsendes „Interessenspotenzial“.

Nach Angaben der Deutschen Zentrale für Tourismus ist es zudem die beliebteste sportliche Aktivität von Deutschlandurlaubern – vor Radfahren und Schwimmen.

4. Wie viele Wanderkilometer gibt es in Deutschland?

Einige Fakten zu den Wanderwegen:

  • Der Deutsche Wanderverband geht von etwa 300 000 Kilometern an Wanderwegen allein in Deutschland aus – wer alle ablaufen würde, würde theoretisch 7,5 Mal um den Erdball wandern.
  • Allein 9700 Kilometer der europäischen Fernwanderwege führen durch Deutschland. Diese Wege hat die Europäischen Wandervereinigung (EWV) im Jahr 1969 zur Völkerverständigung initiiert. Heute gibt es zwölf davon mit einer Gesamtlänge von über 52 000 Kilometern.
  • Um die Pflege der Wanderwege in Deutschland kümmern sich rund 70 landesweite und regionale Gebirgs- und Wandervereine, die sich in etwa 3000 Ortsgruppen mit 600.000 Mitgliedern organisieren, informiert der Deutsche Wanderverband (DWV). Auch Naturparks, Landkreise und Kommunen sorgen für den Erhalt der Infrastruktur.
  • Übrigens: Richtige Wanderer können unterscheiden zwischen Weg, Pfad und Steig. DAV-Experte Winter erklärt dazu: Wege sind mindestens einen Meter breit. Pfade und Steige dagegen sind nur etwa 30 Zentimeter breit – so schmal wie ein Fußstand.

5. Wie unterscheiden sich die Schwierigkeitsgrade?

Beim Bergwandern gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade, die Wanderer anhand der Farben Blau, Rot und Schwarz erkennen. Der Deutsche Alpenverein erklärt dazu:

  • Blau – einfache Bergwege: Sie sind überwiegend schmal, können steil angelegt sein und haben keine absturzgefährlichen Passagen.
  • Rot – mittelschwere Bergwege: Sie sind oft steil angelegt und können abschnittsweise absturzgefährlich sein. Möglich, dass Sie Passagen nehmen müssen, die etwa durch Drahtseile gesichert sind.
  • Schwarz – schwere Bergwege: Auf diesen werden abschnittsweise auch Ihre Kraxelfähigkeiten geprüft. Einfache Kletterstellen erfordern, dass Sie die Hände zu Hilfe nehmen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich, so der DAV.

6. Typische Fehler vermeiden: Wie beginne ich als Anfänger?

Das Gute vorweg, Wandern kann eigentlich jeder: „Es gibt keine sportliche Betätigung, die so unproblematisch zu bewältigen ist“, sagt Erber vom Wanderinstitut.

Am Anfang brauchen Sie nicht viel mehr als die Lust zum Wandern und gutes Schuhwerk.

Auch das Alter ist für den Einstieg egal. „Wandern ist vom Kleinkindalter bis ins hohe Alter möglich“, sagt Winter. „Wandern kann jeder, der gesund ist und keine relevanten Vorerkrankungen hat.“

Tipp: Im Zweifel mit dem Haus- oder Sportarzt klären, ob Wandern gut für Sie ist.

Bei ihrer Tourenplanung sollten Sie natürlich die örtlichen Verhältnisse beachten, rät Winter. Wichtige Fragen dazu sind:

  • Sind die Wege geöffnet?
  • Oder wegen Schnee oder nach starkem Wind verwüstet?
  • Wie steht es um die technische Schwierigkeit des Weges?
  • Sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt?
  • Besteht Absturz- oder Steinschlaggefahr?

Ratschläge, wie die Planung der ersten Touren gelingt

Was müssen Sie beachten, um typische Anfängerfehler bei der Planung ihrer Tour zu vermeiden:

Distanz: „Fangen Sie mit einer kurzen Strecke an, um reinzukommen“, rät Winter. Anfänger sollten während einer Tagestour laut DAV zunächst nicht über zehn Kilometer laufen. Ansonsten droht Überlastung. Es gehe darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, „wie viele Kilometer, ich schaffe, ohne dass es zu sehr anstrengt.“

Geschwindigkeit: Aus der Puste sollten Sie beim Wandern nicht kommen und sich unterwegs stets gut unterhalten können. „Wenn man merkt, man schnauft und kann nicht antworten, dann bitte langsamer laufen“, rät Winter. Immer am schwächsten Gruppenmitglied orientieren.

Schwierigkeit: Anfänger sollten die ersten Touren nicht zu schwer planen und nicht höher als in Mittelgebirgen einsteigen. Hügel, Kuppen und Berge sollten anfangs laut DAV 600 bis 800 Höhenmeter nicht übersteigen. Denn sonst könnte die Strecke einen technisch wie körperlich überfordern. „Später können Sie dann auch in die Voralpen fahren“, so Winter, Ressortleiter für Sportentwicklung beim DAV.

Zeit: Planen Sie genügend Pausen und mehr Zeit als angegeben für die Strecke ein. Die Wander-App mag Ihnen drei Stunden für eine Strecke vorhersagen und auch die Höhenmeter – doch das ist ein Durchschnittswert und er nichts über schönen Aussichten am Wegesrand aus, die Sie zum Verweilen verlocken.

Verpflegung: Sie sollten nie zu wenig Essen und Trinken dabei haben, rät der DAV. Beugen Sie dem Hungerast vor, also einem Leistungseinbruch aufgrund eines Mangels an Kohlehydraten. Packen Sie im Zweifel mehr Verpflegung ein! Denn: Nicht überall gibt es Möglichkeiten zur Einkehr. „Das vergessen viele Anfänger“, so Winter.

Ausrüstung: Anfänger neigen dazu, sich zu teuer und aufwendig auszurüsten. Das sei laut DAV für Anfänger unangebracht, die sich ans Wandern herantasten. Wichtig: Gute Schuhe, bequeme Kleidung, die idealerweise atmungsaktiv und regenabweisend ist.

Wetter: Ein großer Fehler ist es, darauf nicht zu achten. Vor allem in den Bergen sollten Sie den Bergwetterbericht kurz vor Aufbruch noch einmal studieren.

7. Wie sollten Sie bei einem Gewitter in den Bergen reagieren?

Auch bei sorgfältiger Tourenplanung können Sie in ein Gewitter geraten. Daher immer genügend Zeit für einen Notabstieg einplanen! Schnell verlassen, sollten Wanderer dann:

  • Grate,
  • Felstürme,
  • Gipfel sowie
  • wasserführende Bereiche.

Im Notfall, wenn das Gewitter direkt über Ihnen tobt, rät der DAV eine Schutzposition einnehmen: Kauern Sie sich mit angezogenen Beinen auf eine isolierende Unterlage, etwa einen trockenen Rucksack oder ein zusammen gelegtes Kletterseil. Je weniger Kontaktfläche zum Boden besteht, desto geringer ist die Gefahr von sogenannten Kriechströmen.

8. Wie finden Sie geeignete Touren?

Loswandern können Sie oftmals direkt vor der Haustür. Drei Anregungen, wie Sie schöne Strecken finden:

  • Tolle Wanderrouten in Deutschland finden Sie online über die eine Start-Ziel-Suche des Deutschen Alpenvereins.
  • Das Deutsche Wanderinstitut bietet online eine Umkreissuche an – mit zertifizierten Wanderwegen in ganz Europa. Allerdings funktioniert die Suche nicht für alle Bundesländer in Deutschland.
  • Der Deutsche Wanderverband rät zudem Websites von Tourismusverbänden, Naturparks und Wandervereinen zu durchforsten, Wanderführer von klassischen Wanderverlagen zu lesen und sich auf den Seiten von Outdoor-Portalen und Apps umzuschauen.

Übrigens: Die Empfehlungen von Komoot, Outdooractive, Bergfex und Co. basieren in der Regel auf Erfahrungen der Nutzergemeinschaft. Daher sehen Wanderexperten diese zum Teil auch kritisch. Die Tourentipps aus der Community führen nicht selten durch Naturschutzgebiete. „Dann läuft man in Schutzgebiete und stört Biotope“, sagt Klaus Erber. Er mahnt daher, sich bei der Suche über Apps und Portale, an offiziellen Wanderwegen zu orientieren.

Tipp: Meiden Sie beliebte Wanderziele und Sehenswürdigkeiten zu Stoßzeiten. „Drachenfels, Siebengebirge, Loreley – da fahren am Wochenende alle hin“, sagt Manuel Andrack, Autor von Wander-Ratgebern. Wenn Sie von einem Wanderziel noch nie etwas gehört habe, sei es wahrscheinlicher, dass man in gewünschter Einsamkeit marschiert oder die Wege nicht überfüllt sind. „Schauen Sie sich doch auch mal auf der zweiten Seite der Google-Suche um“, so Andrack.

9. Wie weit können Sie wandern?

Anfänger sollten sich erstmal nicht mehr als zehn Kilometer für eine Tagestour vornehmen. Haben Sie erste Erfahrungen gesammelt und sind ein bisschen im Training, können Sie grundsätzlich an diesen Richtwerten orientieren:

  • Vier Kilometer in der Stunde laufen die meisten Wanderer im flachen Gelände ohne Pausen.
  • In den Bergen halbiert sich die Laufgeschwindigkeit auf durchschnittlich zwei Kilometer pro Stunde.
  • Sobald Sie erfahrener sind, können Sie im flachen Land mit bis zu 30 Kilometern pro Tag sowie in bergigeren Gegenden mit rund 15 Kilometern planen.
  • An Höhenmetern sind 300 bis 400 in der Stunde gut machenbar. „Wenn die Strecke flach ansteigt, dauert das natürlich länger“, sagt Winter. In den Bergen sind Höhenmeter, nicht die Strecke der „leistungsbegrenzende Faktor“.

Gehen Sie es gerne ambitionierter an?

Mehrtagestouren sollten Sie erst machen, wenn Sie in der Saison eingelaufen sind, rät Winter vom DAV. Denn dann müssen Sie auch fit für mehr Gepäck sein. Mehr als zehn Kilo sollte Ihr Rucksack aber nicht wiegen – bei Tagestouren etwa sechs bis acht Kilo.

Planen Sie mit Übernachtung, sollten Sie diese reservieren. Falls Sie Bergwandern gehen, empfiehlt sich die Übernachtung in Hütten. Allein der Deutsche Alpenverein listet mehr als 300 Schutzhütten. Insgesamt gibt es in den Alpen rund 2000 Hütten, da auch andere alpine Vereine welche betreiben.

Tipp: Verwandte oder Freunde sollten ihr Wanderziel kennen – über Planänderungen sollten Sie diese immer unbedingt informieren – damit im Notfall klar ist, wo die Bergwacht nach Ihnen suchen muss. Also das Handy unbedingt mitnehmen!

10. Benötigen Sie zusätzlich zum Smartphone eine Wanderkarte?

Für die Navigation können Sie zwar Touren als GPX-Dateien von Internetportalen auf ihr Smartphone übertragen. Doch was ist, wenn:

  • der Akku oder die Powerbank plötzlich leer sind,
  • das GPS-Signal streikt,
  • das Netz schwach ist?

Daher sollten Sie sich vor allem in unbekanntem oder abgeschiedenem Terrain nicht nur auf Ihr Handy verlassen.

Wer gut ausgeschilderte Strecken sucht und keine Karte mitnehmen will, dem rät Klaus Eber vom Wanderinstitut für eine Halbtagestour zertifizierte „Premiumwanderwege“ oder „Qualitätswege – Wanderbares Deutschland“.

Allgemein gilt: auch Markierungen können manchmal fehlen oder Wegabschnitte wegen Forstarbeiten gesperrt sein. Daher sind Grundkenntnisse im Kartenlesen empfehlenswert, so der DWV.

Wer eine Wanderkarte nutzt, sollte seine Route zur besseren Übersicht vorab mit Textmarker markieren. Ideal sind Karten im Maßstab: 1:25000.

Tipp: Sie sind unsicher, ob Sie das Kartenlesen verlernt haben oder sich damit gut orientieren können? Kein Problem: Der Wanderverband mit Tipps zum Kartenlesen hilft Ihnen auf die Sprünge.

dpa

urn:newsml:dpa.com:20090101:210908-99-138538/33

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